Meine Reise - ein persönlicher Einblick
Ich stand schon früh für mich selbst ein. Nicht, weil ich es wollte, sondern weil ich musste.
Ich war nie jemand, der einfach mitgelaufen ist – das lag mir nicht. Stattdessen ging ich meinen eigenen Weg. Oft allein. Oft mit schwerem Gepäck.
Ich habe viele meiner Kämpfe still geführt, im Verborgenen.
Dramen erlebt, überlebt – und am Ende, eines nach dem anderen, in Frieden gebracht.
Vor sechs Jahren begann für mich eine neue Reise. Die Reise nach innen.
Persönlichkeitsentwicklung war für mich kein Trend – sie war eine Notwendigkeit.
Ein Überlebensanker.
Ein Versuch, mich selbst zu verstehen, zu heilen, und in meinem Leben etwas zu verändern.
Ich habe mich durch Schmerz gearbeitet, durch alte Wunden, durch Zweifel.
Ich habe gelernt, zu fühlen, wo vorher nur Funktionieren war.
Zu vergeben, wo vorher Groll war.
Zu erkennen, wo ich mich selbst verraten habe – und es anders zu machen.
Es gab und gibt tiefe Täler, Tränen, Einsamkeit.
Aber es gab und gibt auch Erkenntnisse, Wachstum und Momente voller Stolz, weil ich mich selbst nicht aufgegeben habe.
Diese Reise ist nicht immer leicht.
Aber sie ist echt und sie ist notwendig.
Was du hier liest, ist nicht nur ein Rückblick. Es ist ein Stück von mir.
Vielleicht findest du dich in meinen Worten wieder. Vielleicht triggert dich etwas.
Beides ist okay. Denn es ist meine Geschichte.
Und wenn sie dir einen Impuls geben kann, eine neue Perspektive eröffnet oder eine kleine Abkürzung auf deinem eigenen Weg…
…dann hat sie ihren Platz erfüllt.
Der Anfang meiner Reise
Ich beginne heute, euch mit auf meine Reise zu nehmen.
Eine Reise, die geprägt ist von Erlebtem, Überlebtem, Verarbeitetem – oder zumindest von vielem, das ich Schritt für Schritt aufarbeite.
Dieser Blog, jedes einzelne meiner Worte, wird mir selbst ein Spiegel sein.
Er wird mir zeigen, wer ich bin, wer ich einmal war – und er wird mir helfen, weiter zu heilen. Tief in meinem Innersten.
Die Frage, wo ich meine Geschichte beginne, war nicht leicht zu beantworten.
Also beginne ich dort, wo es am meisten schmerzt – bei der harten Realität.
Wer kennt es nicht, dieses Gefühl, nicht gut genug zu sein?
Es ist ein leiser, aber durchdringender Schatten, der sich manchmal heimlich anschleicht, selbst heute noch – trotz all meiner Werkzeuge, trotz meiner Entwicklung, trotz meiner inneren Stärke.
Mal taucht es nur kurz auf.
Und manchmal bleibt es, bis ich wieder bereit bin, hinzusehen. Hinzufühlen.
Wann hat dieses Gefühl angefangen?
Es war kein einzelner Moment, sondern viele kleine.
Als mein Bruder geboren wurde, verlor ich – ohne es bewusst zu merken – meinen Platz im Zentrum.
Ich war nicht mehr die Einzige. Nicht mehr „die Kleine“.
Damals habe ich das nicht verstanden, aber mein Unterbewusstsein hat es tief gespeichert.
Später dann, im Leistungsschwimmsport: Ich schaffte den Sprung in den Leistungssport nicht.
Und plötzlich war da dieses laute Gefühl: Ich habe versagt.
Ich war nicht gut genug.
Also hörte ich auf – von sieben Trainings die Woche zu gar keinem mehr. Ich kämpfte nicht weiter und auch das kreidete ich mir an. Wenn man etwas will, gibt man nicht einfach auf, doch genau das habe ich getan.
Bei der Lehrstelle wurde ich um ein Jahr vertröstet.
Wieder dieses Gefühl: Nicht gut genug.
Wie schwer diese Last wirklich war, wurde mir erst Jahre später bewusst.
Dieser Glaubenssatz – „Ich bin nicht gut genug“ – hatte sich tief in mir verankert.
Er wurde zu einem ständigen Begleiter.
Zu einer inneren Stimme, die mich nicht leben, sondern nur noch überleben liess.
Diesen Glaubenssatz erscheint immer mal wieder in den unterschiedlichsten Situationen. Vieles habe ich schon aufgelöst. Meinen Selbstwert erhöht und vor allem mir selbst viel verziehen. Ich bin mir bewusst, dass immer noch nicht alles geheilt oder verarbeitet ist und ich weiss diese Reise zu mir selbst, ist eine Reise bis zu meinem letzten Atemzug. Sie ist manchmal hart, schwer, tut weh, löst Tränen aus, doch sie heilt mich, lässt mich gross Träumen und an mich glauben. Veränderung fängt immer vor der eigenen Haustüre an und ich werde dir noch weitere Einblicke geben, in mein Leben, in meine Innenwelt.
Ich sehnte mich nach Liebe
Nach einer Partnerschaft. Nach Nähe. Nach einem Menschen, der bleibt und ich war bereit, alles zu geben – für ein kleines bisschen Liebe. Ich sah nicht, was dahinterstand. Ich glaubte, Liebe müsse man sich verdienen. Durch Anpassung. Durch Hingabe. Durch Schmerz.
Mein grösster Wunsch war es, Mutter zu werden. Ein eigenes Kind – das fühlte sich an wie das Ziel, das alles heilen würde. Doch Beziehung um Beziehung zerbrach. Nicht leise, sondern laut. Schmerzhaft. Zermürbend.
Die letzte war eine Fernbeziehung und sie brachte mich an einen Punkt, an dem ich mich selbst nicht mehr erkannte. Im Urlaub, fern von allem, was mir Halt gab, wurde der emotionale Schmerz so unerträglich, dass ich ihn körperlich machte – durch einen kleinen Schnitt. Ein Moment, der mich erschütterte. Ein Moment, der alles veränderte.
Denn dort, ganz unten, begann ein leises Aufwachen. Ein Versprechen an mich selbst: Nie wieder. Nie wieder sollte jemand so viel Macht über mein Herz haben. Nie wieder wollte ich mich für Liebe verlieren und verbiegen. Nie wieder Schmerz als Preis für Zuneigung zahlen.
Ich kehrte zurück. Zerschlagen, aber wach. Ich wusste: Wenn ich schon am Boden liege – dann kann ich auch springen. Also tat ich das, was ich mich nie zuvor getraut hatte: Ich nahm meinen grossen Kindheitstraum in die Hand – mein geschriebenes Jugendbuch –und schickte es hinaus in die Welt.
Und plötzlich kam Licht. Verlage meldeten sich. Interesse. Hoffnung. Eine Tür ging auf.
Am tiefsten Punkt meines Lebens zeigte sich etwas Neues: Ich bekam die Chance, ein ganz neues Kapitel zu schreiben. Einer meiner grössten Träume zu leben und dazu die Erkenntnis dass alles einen Sinn hat. Auch wenn ich ihn oft erst im Nachhinein sehe und verstehe.
Wenn Liebe mit dir beginnt
Nach dem Debakel in der Liebe war nichts mehr wie zuvor. Ich war erschüttert.Tief verletzt.Zerrissen zwischen dem Wunsch, wieder zu vertrauen – und der Angst, erneut zu zerbrechen.
Ich wusste nicht mehr, wie ich mir selbst glauben sollte.Und schon gar nicht, wie ich einem Mann wieder vertrauen könnte.Und doch…war da immer noch dieses Sehnen.Nach Nähe. Nach Liebe. Nach Verbindung.Fast wie ein innerer Hunger, der nie gestillt wurde.Ich suchte – wie ein Süchtiger.Immer wieder. Immer weiter.
Eines Tages stolperte ich über eine Challenge:„Wie ziehst du deinen Traumpartner ins Leben?“Ein Versprechen, das zu gross klang für mein gebrochenes Herz –und doch auch irgendwie wie ein leiser Hoffnungsschimmer.
Zum Glück war sie kostenlos.Und so meldete ich mich an.Voller Zweifel, aber auch voller Zuversicht.In der Hoffnung, dass sich in 7 Tagen vielleicht etwas verändert.
Was ich nicht wusste:Es würde nicht der Mann sein, der in diesen 7 Tagen mein Leben veränderte –es war ich selbst.
Ich begann zu erkennen, wie sehr ich im Aussen lebte.Wie sehr ich davon abhängig war, dass mich andere mögen.Dass ich gesehen werde.Dass ich Komplimente bekomme, um mich selbst wertvoll zu fühlen.Ich hatte vergessen, mich selbst zu sehen.
Tag für Tag führte mich die Challenge näher zu mir.Zu meiner Wahrheit.Zu meinem Selbstwert – unabhängig von Bestätigung.Es war kein magisches Liebesrezept.Aber ein leiser, heilender Beginn.Der Beginn, mir selbst der wichtigste Mensch zu werden.Und genau darin liegt die grösste Anziehungskraft.Nicht im Suchen. Nicht im Bitten.Sondern im Heimkehren.
Und vielleicht – nur vielleicht – ist das der Moment,in dem echte Liebe zu dir findet.
Ein Lied, drei Dinge, ein Neubeginn
Manchmal führt uns das Leben nicht dorthin, wo wir hinwollen – sondern dorthin, wo wir wirklich gebraucht werden. Als ich diese eine Challenge entdeckte, hatte ich nur ein Ziel: meinen Traumpartner finden. Ich war voller Hoffnung, vielleicht auch ein bisschen naiv. Was ich fand, war viel mehr. Ich fand mich selbst. Oder besser gesagt: Ich begann, mich wieder zu entdecken.
Es war mein Einstieg in die Welt der Persönlichkeitsentwicklung. Und ich hatte keine Ahnung, wie sehr sie mein Leben verändern würde. Was harmlos mit kleinen Aufgaben begann, öffnete langsam Türen in mir,von denen ich nicht wusste, dass sie verschlossen waren.
Wir erstellten eine Notfall-Playlist –Lieder, die stärken, die auffangen, die erinnern: Du bist nicht allein.Du bist kraftvoll. Du bist geliebt. Diese Liste begleitet mich bis heute – jedes Jahr bekommt sie einen neuen Namen. Heute heisst sie: Favoriten-Songs 2025. Und manchmal reicht ein einziger Song, um mein Herz wieder zu öffnen.
Eine weitere Aufgabe war die tägliche Dankbarkeit. Klingt leicht – war es aber nicht. Ich war so sehr im Aussen, dass ich kaum etwas in mir spürte. Ich war dankbar für die Sonne. Für meine Freundin. Für den Kaffee. Aber es war eine leere Dankbarkeit, fast mechanisch. Weil mein Herz noch nicht mitfühlen konnte. Weil ich den Blick für das Wunderbare verloren hatte.
Doch Dankbarkeit ist geduldig.Sie kommt leise. Und wenn man ihr Raum gibt, wächst sie.
Heute – viele Jahre später – schreibe ich noch immer jeden Tag meine drei Dinge auf.Mal klein, mal gross. Ich bin dankbar, dass ich morgens gesund aufwache.Dankbar für ein Lächeln. Für gute Gespräche. Für Musik, die meine Seele streichelt. Dankbar für die Stille. Für das Leben. Für mich.
Dieses Ritual ist geblieben. Es trägt mich durch jedes Tief. Wie ein Anker, der mich immer wieder daran erinnert, dass es Licht gibt – auch wenn ich es mal nicht sehe.
Ich bin dankbar, diesen Text zu schreiben.Weil er jemanden berührt. Weil er jemandem Hoffnung schenkt. Und weil er mir zeigt, wie weit ich gegangen bin.
Danke. Danke. Danke.
Genug - jeden einzelnen Tag
In diesen sieben Tagen hat sich etwas in mir bewegt.Mehr als ich je erwartet hätte.Ich hatte mich für eine Challenge angemeldet – mit der Hoffnung, endlich meinen Traumpartner zu finden.Gefunden habe ich etwas ganz anderes:Mich selbst.
Ich fühlte mich danach so viel bereiter für das Leben.So viel klarer.So viel ehrlicher.Und so entschied ich mich, weiterzugehen.Ich buchte den Folgekurs – und mit jedem Schritt wurde mir bewusster,wie wenig ich mich eigentlich kannte.
Irgendwo zwischen dem Kind, das an alles glaubte,das sich selbst für stark, schön und einzigartig hielt –und meinem heutigen Ich –hatte ich mich verloren.
Ich funktionierte, ich passte mich an,ich lebte im Aussen,aber innen… war es oft still.Leer.Unverbunden.
Dann kam diese eine Aufgabe:„Notiere deine grössten Stärken.“Ich starrte auf das Blatt.Nichts.Ich konnte keine einzige nennen.
Das tat weh.Aber es war auch der Moment, in dem sich der Schleier langsam hob.Mit jedem weiteren Tag, mit jeder Übung, mit jeder ehrlichen Antwortfand ich etwas zurück.Zu mir.Zu dem, was in mir wirklich lebt.
Dann kam die nächste Herausforderung:„50 Gründe, warum du dich liebst.“Ein Wort, das mich überforderte: Liebe.Ich war noch nicht so weit.Also begann ich kleiner.„50 Gründe, warum ich mich mag.“
Ich fand 20.Irgendwann 30.Heute finde ich 50 –und ich finde sie nicht nur mit dem Kopf, sondern langsam auch mit dem Herzen.
Ja, Selbstliebe ist noch immer ein instabiles Gerüst.Manchmal wankt es.An manchen Tagen habe ich das Gefühl, es fällt wieder in sich zusammen.Aber dann erinnere ich mich:Ich habe es selbst gebaut.Aus kleinen Bausteinen.Aus Mut.Aus Ehrlichkeit.Und aus der leisen Hoffnung, dass ich genug bin –auch ohne Applaus, ohne Aussen, ohne jemand anderen.
Und weisst du was?Das bin ich.Genug.
Jeden einzelnen Tag.Auch wenn ich es nicht immer spüre.
Vom Kinderwunsch - und der Reise zu mir selbst
Früher war da dieser eine grosse Wunsch in mir:Ich wollte ein Kind.Nicht irgendwann – sondern so bald wie möglich.Ich malte mir aus, wie es wäre, dieses kleine Wesen in meinen Armen zu halten.Ich glaubte, dass alles gut würde, wenn ich endlich Mama bin.Dass dann Liebe da wäre. Tiefe. Geborgenheit.Dass sich damit alles fügen würde.
Ich suchte nach der grossen Liebe, manchmal zu verbissen, manchmal zu verzweifelt –immer mit dem Gedanken: Wenn ich erst ein Kind habe, dann...
Doch irgendwann begann ich, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen.Ich schaute hin. Ehrlich. Tief. Schmerzhaft.Und ich erkannte etwas, das mein Herz zugleich gebrochen und geheilt hat:Mein Wunsch nach einem Kind war nicht nur der Wunsch nach Familie.Es war der tiefe Wunsch, bedingungslos geliebt zu werden.
Das tat weh. Sehr.Denn ich verstand: Kein Kind sollte jemals ein Loch füllen müssen. Kein Kind sollte der Grund sein, warum ich mich ganz fühle.
Diese Erkenntnis war ein Wendepunkt.Ich begann, mich selbst zu sehen. Mich kennenzulernen. Mich – Stück für Stück – zu lieben.Nicht jeden Tag gleich stark. Aber immer echter. Immer ehrlicher.Und heute weiss ich:Ich bin wertvoll.Als Frau. Als Mensch.Auch ohne Kind.
Ist das Thema damit vorbei?Jein.Der Wunsch ist noch da.Aber nicht mehr um jeden Preis.Nicht mehr aus dem Mangel, sondern aus Liebe.Und egal, was das Leben noch für mich bereithält –Ich werde mein Kind immer über alles lieben, wenn es kommt.Doch sollte ich keine Mama werden,dann werde ich trotzdem ein erfülltes, glückliches Leben führen.
Weil ich weiss, wer ich bin.Und weil ich gelernt habe, dass wahre Liebe in mir beginnt.
Selbstliebe - ein Weg, kein Zustand
Das Thema Selbstliebe war für mich lange Zeit ein harter Brocken. Nicht diese schönen Zitate auf Postkarten, sondern die echte, unbequeme, rohe Selbstliebe. Die, die dich anschaut, wenn du dich am liebsten verstecken würdest. Die, die fragt: Liebst du dich auch dann, wenn du dich gerade nicht hübsch fühlst? Auch dann, wenn dein Spiegelbild nicht dem Ideal entspricht?
Ich habe oft gehadert mit mir. Mit meinem Aussehen. Meinem Körper. Meiner Weiblichkeit. Ich dachte, nur wer schlank ist, kann erfolgreich, sexy und liebenswert sein.Und ja – das Thema Essen war lange mein Schatten. Ein Begleiter in dunklen Stunden. Ein Trost. Ein Schutz. Ein Überlebensmechanismus.
Essen war meine Rüstung, mein Pflaster, mein Rückzugsort. Es half mir, mich nicht zu fühlen. Nicht zu zerbrechen. Es hielt mich aufrecht, wenn alles in mir zusammenzubrechen drohte. Und dann – erst vor wenigen Monaten – erzählte mir meine Mama, dass ich untergewichtig zur Welt kam. Dass mein kleiner Körper ums Überleben kämpfte. Dass ich essen musste, um leben zu dürfen.
Da wurde mir klar: Mein Kampf mit dem Essen war tief in mir gespeichert. Ein Überlebensmuster, das sich durch mein Leben zog. In allen Lebensbereichen hat es mich gerettet und überleben lassen. Und plötzlich sah ich mich nicht mehr als schwach.Sondern als stark. So stark, dass mein Körper sich selbst beschützt hat, als niemand sonst es konnte. In tiefer Dankbarkeit habe ich das für mich angenommen und los gelassen.
Heute? Heute ist der Stein kleiner. Aber er ist noch da. An den meisten Tagen liebe ich mich. Echt. Tief. Aber es gibt auch die anderen Tage. Die, an denen Zweifel flüstern und Ängste laut werden.
Und weisst du was? Das ist okay. Denn ich muss nicht perfekt sein, um liebenswert zu sein. Ich darf wachsen, scheitern, zweifeln – und trotzdem heil sein.
Ich weiss, dass da noch ein Thema schlummert. Aber ich bin bereit. Bereit, es zu fühlen. Bereit, es zu heilen. Und bereit, mich immer wieder selbst in den Arm zu nehmen.
Denn Selbstliebe ist kein Ziel. Sie ist ein tägliches Wieder-Ankommen. Bei mir. Mit allem, was ich bin.
31.12.2025
Zwischen all den guten Rutsch-Wünschen, die schon leise anklopfen, sitze ich hier und spüre:
Ich bin noch nicht ganz bereit für das Neue.
Noch nicht.
2025 war kein Jahr, das man einfach abschliesst.
Es war ein Jahr, das mich durchgerüttelt hat.
Veränderung pur.
Herausfordernd.
Ehrlich.
Wachsend.
Während ich diese Zeilen schreibe, tauchen Bilder auf.
Momente, die sich eingebrannt haben.
Gefühle, die laut waren und solche, die ganz still wurden.
Ich startete dieses Jahr voller Zweifel –
und beende es in innerem Frieden.
Allein das sagt schon so viel.
2025 hat mich gelehrt.
Es hat mich wachsen lassen.
Es hat mich verändert.
Ich habe mich verändert.
Es war eines der bewegendsten Jahre meines Lebens.
Ein Jahr, in dem ich nach 17 Jahren meinen Job losliess.
Nicht, weil er schlecht war –
sondern weil ich gewachsen war.
Ein Jahr, in dem Finnland mich wieder rief.
3,5 Monate Inari.
Mein zweites Zuhause.
Ein Ort, an dem Zeit langsamer fliesst,
Rentiere den Rhythmus vorgeben
und das Leben leiser, aber klarer wird.
Dort habe ich gearbeitet –
und zum ersten Mal verstanden,
was es bedeutet, seine Berufung zu leben.
Doch bevor es nach Inari ging, kam das Loslassen.
Menschen.
Sicherheit.
Gewohnheiten.
Es war kein sanfter Abschied.
Es war mutig.
Ungewiss.
Und ehrlich gesagt: auch beängstigend.
Ich wusste nicht, wie es nach Finnland weitergehen würde.
Aber ich ging trotzdem.
2025 hat mich gelehrt, Sicherheit neu zu definieren.
Nicht als Jobtitel oder festen Plan.
Sondern als Menschen.
Freunde und Familie,
die jede Entscheidung mittragen.
Die an mich glauben,
wenn ich selbst noch zweifle.
Die meine verrückten, mutigen, vielleicht auch gewagten Schritte mit mir gehen.
Dafür bin ich unendlich dankbar.
Kurz vor Finnland begann etwas,
das ich damals noch nicht einordnen konnte:
eine Blindbewerbung.
Sozialpädagogik.
Ein Beruf, den ich theoretisch verstand –
aber erst jetzt wirklich fühle.
TERRA EST VITA – Erde ist Leben.
Ich bin angekommen.
Geerdet.
Bei mir.
Zum ersten Mal gehe ich zur Arbeit
und habe nicht nur Freude –
sondern Sinn.
Und dann war da dieser Traum.
Der Helikopterflug über Inari.
Auf den letzten Drücker wurde er wahr.
Inari von oben zu sehen,
hat mein Herz noch tiefer verankert.
Als hätte dieser Ort leise gesagt:
„Du bist richtig hier.“
Zwischen all dem lagen Tränen.
Wut.
Erschöpfung.
Hoffnungslosigkeit.
Aber auch Mut.
Abenteuer.
Lachen.
Liebe.
Selbstliebe.
Und dieses kostbare Gefühl, angekommen zu sein.
Erst jetzt, beim Schreiben, wird mir bewusst,
wie viel ich geschafft habe.
So schliesse ich 2025
mit kleinen Glückstränen in den Augen.
Und 2026?
Es wartet.
Die Anmeldung für die schriftliche Prüfung ist gemacht.
Der Weg zur Ausbildung als Sozialpädagoge ist klar.
Das grosse Ziel: August 2027.
Dazu meine Schreibprojekte.
Der Roman soll 2026 erscheinen.
Die Bildidee lebt bereits.
Der Gedanke ans Cover auch.
Ich werde weiter an mir arbeiten.
Meinen Rucksack leichter machen.
Bewusster Pausen nehmen.
Es wird wieder eine Weihnachtsgeschichte geben –
und eine neue Idee klopft schon an.
Und ja:
Inari ruft erneut.
Sommer.
Ein zweites Mal.
Während ich diese letzten Zeilen schreibe,
wird mir etwas ganz klar:
Meine tief verankerten Überzeugungen tragen mich.
Alles ist möglich.
Und egal, was kommt –
das Leben ist immer für mich.
Ich gehe nicht voller Antworten ins neue Jahr - sondern voller Vertrauen
Zwischen Stolz und Druck - ein leiser Anfang für 2026
Der Start ins neue Jahr war für mich schwieriger, als ich erwartet hatte.
2025 war mein Jahr. Und plötzlich tauchte diese leise, aber hartnäckige Frage auf:
Was, wenn 2026 nicht mehr mein Jahr ist?
Kann man überhaupt zwei gute Jahre hintereinander haben?
Ich schüttelte den Kopf. In meiner Gedankenwelt schien das unmöglich.
Normalerweise definiere ich meine Ziele für das neue Jahr bereits im Dezember. Pläne geben mir Halt, Struktur und Sicherheit. Doch 2025 hat mich etwas gelehrt, womit ich nicht gerechnet hatte:
dass ich Ziele auch ohne Plan erreichen kann.
Und genau das machte es so schwierig.
Denn wenn der Plan fehlt, fehlt plötzlich auch der Boden unter den Füssen.
Das verunsicherte mich komplett. Umso dankbarer war ich, dass Laura wieder da war und die richtigen Fragen stellte.
Nehme ich überhaupt an, dass da diese Blockade ist?
Und wäre es nicht klug, mir zuerst zu erlauben, dass zwei gute Jahre möglich sind?
Oder sogar, dass 2026 das Vorjahr übertreffen darf?
Ja. Das wäre klug.
Und trotzdem ging mir dieses „Nimm es zuerst an“ gewaltig auf die Nerven.
Ich wusste, dass es der Anfang ist.
Aber Wissen allein macht es nicht leichter.
Mein eigener Druck stieg. Ich hatte weder an meinem Roman gearbeitet noch eine Idee für die Weihnachtsgeschichte 2026. Ja, es ist mein eigener Druck – und doch brachte ich ihn nicht raus.
sass ich Ende Januar noch da.
Ich hatte Texte für meine Webseite geschrieben.
Ich hatte regelmässig Dankbarkeit notiert.
Aber kein einziges Wort für meine grossen Ziele.
Was ich jedoch begonnen habe:
Ich habe angefangen, an meiner Gesundheit zu arbeiten.
Tägliche kleine Rückenübungen.
Ich achte darauf, zwei Liter Wasser pro Tag zu trinken.
Es sind kleine Dinge, ja.
Und gleichzeitig gehören sie zu meinen Zielen für 2026: meiner körperlichen und mentalen Gesundheit mehr Wert zu geben.
Und genau da habe ich ihn gesehen – den Erfolg.
Leise. Unspektakulär. Echt.
Trotzdem war da weiterhin dieser Druck. Dieses innere Ziehen, weil ich diese Geschichten schreiben will. Weil sie in mir sind und rauswollen.
Also bin ich im Moment beides:
stolz – und genervt von mir selbst.
Und heute darf genau das nebeneinander existieren.
Das leise Ja zum Mut
Die FDP-Vorstandssitzung fand an einem Montag statt. Das Protokoll war vorbereitet, meine Gedanken geordnet, meine Haltung ruhig. Ich war entspannt. Ich hörte zu, brachte mich ein, teilte meine Meinung und hielt fest, was wichtig war. Alles fühlte sich vertraut an – fast selbstverständlich.
Dann kam der Info-Anlass zur Sprache. Und plötzlich diese Frage. Beiläufig gestellt, aber mit grosser Wirkung: Ob ich mir vorstellen könnte, durch den Abend zu führen, Fragen zu stellen, den Rahmen zu halten.
Mein Puls beschleunigte sich. Noch bevor mein Verstand reagieren konnte, sagte ich Ja.
Ein spontanes Ja.
Mutig. Offen.
Und kaum ausgesprochen, begann alles in mir zu wanken.
Die Zweifel waren sofort da. Leise zuerst, dann immer lauter.
Bin ich gut genug?
Werde ich dem gerecht?
War es ein Fehler Ja zu sagen?
Bin ich wirklich die richtige Person – oder nur eine Notlösung?
Gedanken, die sich anfühlen wie alte Bekannte. Unangenehm vertraut und schwer abzuschütteln.
Ich bemühte mich, der Sitzung weiter zu folgen. Doch innerlich war ich längst woanders. In der Vorbereitung.
Denn Vorbereitung ist für mich kein Zeichen von Unsicherheit, sondern von Verantwortung. Ich weiss, dass ich authentisch sein werde. Aber Struktur gibt mir Halt. Sie hilft mir, Nervosität zu zähmen und aus Unsicherheit Konzentration zu machen.
Spät am Abend sass ich vor dem Tablet und erstellte mir eine Stütze. Fragen, Abläufe, Übergänge. Ein Gerüst, an dem ich mich festhalten kann.
Trotzdem fand ich keinen Schlaf. Zu gross war die innere Bewegung.
Politische Karriere ist für mich kein leeres Wort. Ich habe Ziele. Grosse. Bundesrätin zu werden ist eines davon.
Und ja, ich gebe es zu: Ich weiss vieles noch nicht. Vielleicht sogar sehr vieles.
Aber ich weiss, dass Lernen Mut braucht.
Dass Wachstum dort beginnt, wo Zweifel sind.
Und dass man manchmal Ja sagen muss, auch wenn man noch nicht bereit ist –
um es eines Tages zu sein.
Heilung beginnt nicht auf der Waage
Ein weiteres Kernthema durfte ich in den letzten Tagen anschauen.
Eigentlich war ich im Urlaub. Eigentlich wollte ich mich erholen. Und genau das tat ich auch.
Gleichzeitig waren diese Tage unglaublich intensiv. Denn ich arbeitete an mir. Ich wurde gecoacht. Ich schaute hin. Ehrlich. Tief. Teilweise auch schmerzhaft.
Seit einigen Jahren versuchte ich verzweifelt, abzunehmen.
Ich nahm ab. Ich hielt durch. Ich kämpfte.
Und irgendwann fiel ich wieder in alte Muster zurück.
In meinen Augen hatte ich versagt.
Genau deshalb wollte ich nicht noch einmal neu anfangen. Denn ein weiteres Scheitern hätte ich kaum ausgehalten. Gleichzeitig wollte ich aber auch nicht weiterhin so aussehen und mich so fühlen wie bisher.
Ein Teufelskreis. Meine ganz persönliche Hölle.
Dabei wurde mir bewusst, wie viele Glaubenssätze sich über die Jahre in mir festgesetzt hatten. Glaubenssätze, die viele Menschen vermutlich kennen:
«Wenn ich Schokolade nur anschaue, nehme ich zu.»
«Süsses geht immer.»
«Meine Verdauung ist einfach schlecht.»
«Abnehmen ist schwer.»
Obwohl ich eigentlich ein positiver Mensch bin, der nicht so schnell aufgibt, hatte ich in diesem Bereich längst Angst entwickelt.
Angst davor, wieder zu scheitern.
Bis ich langsam verstand:
Ich bin nicht gescheitert.
Ich habe einfach noch nicht den Weg gefunden, der für mich funktioniert.
Dieser Gedanke hat unglaublich viel verändert.
Gemeinsam haben wir alte Überzeugungen hinterfragt und neue Perspektiven entwickelt. Plötzlich entstanden Möglichkeiten, die ich vorher gar nicht gesehen hatte.
Und noch etwas begann sich zu verändern:
Ich fing an, mich selbst anzunehmen.
Nicht erst irgendwann. Nicht erst, wenn ich schlanker bin. Nicht erst, wenn ich einem bestimmten Ideal entspreche.
Sondern jetzt.
Zu erkennen, dass ich bereits heute gut genug bin, hat vieles in mir gelöst.
Früher wäre es für mich undenkbar gewesen, morgens um 05.00 Uhr zu frühstücken. Heute weiss ich, dass ein frühes Frühstück meinem Körper guttut. Er braucht Nahrung, Energie und Stabilität.
Und heute tue ich es.
Nicht unbedingt, weil ich es liebe.
Sondern weil ich lerne, meinen Körper besser wahrzunehmen und ihm Sorge zu tragen.
Denn Gesundheit hat für mich nichts mit Bestrafung zu tun.
Sondern mit Fürsorge.
Und plötzlich wurde gesunde Ernährung leichter.
Nicht perfekt. Nicht immer. Aber leichter.
Weil auch dieser Glaubenssatz gehen durfte:
«Abnehmen ist schwer.»
Ja, ich werde weiterhin Fehler machen.
Ja, Schokolade und Eis werden auch künftig ihren Platz in meinem Leben haben.
Aber ich brauche sie nicht mehr in den Mengen wie früher.
Nicht mehr zum Trösten. Nicht mehr zum Funktionieren. Nicht mehr, um Leere zu füllen.
Und genau diese Veränderung macht mich stolz.
Es ist eines der ersten Male, dass ich das überhaupt so klar ausspreche.
Weil ich es inzwischen wirklich fühle.
Ich darf stolz auf mich sein.
Nicht erst, wenn ich irgendwann ein Ziel erreiche.
Sondern heute.
Für jeden kleinen Schritt. Für jedes Hinschauen. Für jedes Mal, in dem ich mich nicht aufgegeben habe.
Vielleicht beginnt Heilung genau dort:
Nicht auf der Waage.
Sondern in dem Moment, in dem wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen.
Die Sprache zwischen den Worten
Wir waren gerade auf einem Transfer, den ich leitete. Eine Strecke, die ich mittlerweile in- und auswendig kenne. Baum um Baum. Kurve um Kurve. Eine Strasse, die mir längst vertraut geworden ist.
Es ist auch eine Strecke, auf der viele Gäste irgendwann die Augen schliessen. Und wenn ich ehrlich bin, kenne ich die Herausforderung selbst nur zu gut. Manchmal kämpfe auch ich gegen die Müdigkeit an und muss mich daran erinnern, die Augen offen zu halten.
Doch an diesem Tag war etwas anders.
Ich sass vorne im Bus und lächelte.
Nicht dieses breite Lächeln, das man bewusst schenkt.
Sondern dieses verträumte Lächeln, das einfach entsteht.
Die Gäste hatten ihre Augen geschlossen und genossen die Fahrt. Irgendwann traf sich mein Blick mit dem von Niels.
Für einen kurzen Moment.
Ohne Worte.
Und doch war da Kommunikation.
Es brauchte keine Erklärung. Keinen Satz. Kein Gespräch.
Nur diesen einen Blick.
Wenig später sah ich zum Busfahrer.
Und auch dort passierte genau dasselbe.
Wir schauten uns an und für einen Augenblick hatte ich das Gefühl, als würden wir alle dasselbe spüren.
Nicht denken.
Spüren.
Es war einer dieser seltenen Momente, in denen mein Kopf einfach still war.
Keine To-do-Liste.
Keine Gedanken.
Keine Fragen.
Nur der Moment.
Nur das Hier und Jetzt.
Während draussen die Birken, Föhren und Fichten vorbeizogen, wurde mir bewusst, wie sehr ich diese Landschaft liebe. Diese Strasse hat ihre Magie bis heute nicht verloren.
Im Gegenteil.
An diesem Tag schien sie sogar noch etwas stärker zu sein.
Die Stille im Bus war anders als sonst.
Es war keine müde Stille.
Keine unangenehme Stille.
Keine Stille, die gefüllt werden wollte.
Es war eine warme Stille.
Eine Stille, in der wir alle gemeinsam unterwegs waren.
Eine Stille, die niemand unterbrechen musste.
Eine Stille, die nicht durch Worte gefüllt wurde, sondern durch Gefühle.
Durch Blicke.
Durch Präsenz.
Durch das stille Wissen, dass wir alle genau dort waren, wo wir gerade sein sollten.
In diesem Moment fühlte ich mich unglaublich verbunden.
Mit der Natur.
Mit den Gästen.
Mit dem Busfahrer.
Mit Niels.
Da war eine tiefe Dankbarkeit, diesen Moment mit genau diesen Menschen teilen zu dürfen.
Und da war noch etwas anderes.
Vertrauen.
Zum ersten Mal seit Langem zweifelte ich keinen Moment an mir.
Keine Zweifel.
Keine Unsicherheit.
Nur das Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.
Ich weiss nicht, wie lange dieser Moment gedauert hat.
Vielleicht nur wenige Sekunden.
Vielleicht ein paar Minuten.
Doch er hat sich tief in mein Herz eingebrannt.
Denn in diesem Augenblick wurde mir etwas bewusst:
Schweigen ist auch Kommunikation.
Vielleicht sogar mehr, als wir manchmal glauben.
Oft verbinden wir Schweigen mit Distanz. Mit Strafe. Mit Unsicherheit oder Unbehagen.
Doch Schweigen kann auch etwas ganz anderes sein.
Es kann Nähe schaffen.
Vertrauen ausdrücken.
Verbundenheit zeigen.
Ganz ohne Worte.
An diesem Tag war Schweigen für mich die stärkste Sprache überhaupt.
Und vielleicht gerade deshalb so berührend.
Weil niemand etwas sagen musste.
Und trotzdem alles gesagt war.