01.06. - 05.06.2026

Wenn das Herz noch unterwegs ist 

Nach einer kurzen Nacht begann mein neues Kapitel in Finnland.
 Doch bevor wir schlafen gingen, stand noch etwas Besonderes auf dem Programm. Gemeinsam sassen wir am Abend des 31. Mai im Pub und schauten das WM-Finale zwischen der Schweiz und Finnland.

 Ein Spiel, das alles hatte.
 Hoffnung. Spannung. Leidenschaft.
 Und am Ende die Overtime.
 Als Finnland das entscheidende Tor schoss, herrschte für einen kurzen Moment Stille. Schock. Enttäuschung. Vielleicht auch ein wenig Ungläubigkeit.
 Doch dieser Moment dauerte nicht lange.
 Dann applaudierten wir.

 Für die mutigen Schweizer Spieler, die ein grossartiges Turnier gespielt hatten. Für die Finnen, die sich diesen Sieg verdient hatten. Für den Sport, der Menschen verbindet, auch wenn sie unterschiedliche Farben tragen.
 Gold für Finnland.

 Und eine Nacht voller Emotionen. Am nächsten Morgen sassen wir beim Frühstück mit Blick auf den Juutua River.

 Die Sonne spiegelte sich im Wasser. Die Landschaft lag ruhig vor uns. So wunderschön, dass man sie kaum beschreiben kann.
 Unvergesslich.
 Still.
 Herzberührend.

 Anschliessend bezogen wir unser Mökki. Dieses Jahr wartete eine Überraschung auf mich. Statt der Unterkunft, die ich bereits kannte, erwartete uns etwas Neues.
 Modern.
 Grosszügig.
 Mit vier Zimmern und einem wunderschönen Badezimmer.
 Schon beim Eintreten wusste ich: Hier werde ich mich wohlfühlen.

 Wir richteten uns ein, erkundeten den Ort und trafen später unsere Partner in Inari.

 Eigentlich hätte alles perfekt sein sollen.
 Eigentlich hätte ich glücklich sein müssen.
 Doch genau dieses Gefühl wollte sich nicht einstellen.
 Je mehr ich versuchte, die Freude zu spüren, desto deutlicher bemerkte ich etwas anderes.
 Schwere.
 Eine innere Distanz.
 Als wäre ein Teil von mir noch gar nicht in Finnland angekommen.
 Lange wollte ich das nicht wahrhaben.
 Wie konnte das sein?

 Ich war doch hier.
 In Inari.
 An einem Ort, den ich liebe.
 An einem Ort, der in den letzten Jahren zu einem Teil meines Herzens geworden ist.

 Ich wollte dieses Glücksgefühl zurück.
 Dieses Gefühl von Freiheit.
 Von Ankommen.
 Von Zuhause auf Zeit.
 Doch statt Freude spürte ich einen Sturm in mir.
 Also zog ich mich zurück.
 Suchte die Stille.
 Suchte die Natur.
 Suchte Antworten.

 Am Donnerstag besuchten wir unsere Partner am Flughafen. Unterwegs machten wir Halt bei meinem absoluten Lieblingscafé. Ein Kaffee, ein vertrauter Ort und für einen kurzen Moment war da dieses Gefühl wieder.
 Dieses kleine Stück Glück.

 Auch die Meetings am Flughafen fühlten sich vertraut an. Fast so, als wäre ich nie weg gewesen.

 Am Abend übernachteten wir im Break Sokos Hotel in Levi.
 Ein Ort, den ich liebe.

 Ein Ort voller Erinnerungen.
 Und trotzdem blieb da etwas zwischen mir und all diesen schönen Momenten.
 Etwas, das ich nicht greifen konnte.
 Erst auf der Heimfahrt am nächsten Tag begann sich der Nebel langsam zu lichten.

 Ich sprach aus, was ich die ganze Zeit verdrängt hatte.
 Zum ersten Mal gab ich diesem Gefühl Raum.
 Und plötzlich kamen die Tränen.
 Nicht laut.
 Nicht dramatisch.
 Einfach ehrlich.
 Ich liess sie zu.

 Ich liess zum ersten Mal auch die Tatsache zu, dass dieses Jahr anders ist.
 Dass Finnland sich nicht gleich anfühlt wie die Male zuvor.
 Und genau in diesem Moment kam die Erkenntnis.
 Leise.
 Aber mit voller Wucht.
 Da war eine Mauer um mein Herz.
 Nicht, weil ich Finnland weniger liebe.
 Nicht, weil ich nicht hier sein möchte.
 Sondern weil ich weiss, dass es das letzte Mal sein wird.
 Zumindest für die nächsten Jahre.

 Irgendwo in mir hatte ich begonnen, Abstand zu schaffen.
 Nicht bewusst.
 Nicht absichtlich.
 Aber aus Selbstschutz.

 Während ich eigentlich jeden Moment geniessen wollte, versuchte ein anderer Teil von mir bereits jetzt, den Abschied vorzubereiten.
 Als könnte ich den Schmerz im September kleiner machen, wenn ich nicht mehr ganz so tief fühle.
 Doch so funktioniert das Herz nicht.
 Liebe lässt sich nicht vorsorglich abschwächen.
 Verbundenheit lässt sich nicht auf Abstand halten.
 Und vielleicht muss ich das auch gar nicht.

 Denn die Wahrheit ist:
 Der Abschied wird wehtun.
 Natürlich wird er das.
 Finnland hat Spuren in meinem Leben hinterlassen.
 Menschen haben Spuren hinterlassen.
 Erinnerungen haben Spuren hinterlassen.
 Doch gleichzeitig weiss ich auch etwas anderes.
 Ich werde diesen Schmerz aushalten.

 Weil in der Schweiz etwas auf mich wartet.

 Meine Familie.
 Meine Freunde.
 Mein Zuhause.
 Meine Berufung.
 Ein Leben, das ich liebe.
 Und vielleicht muss ich deshalb gar nicht versuchen, mein Herz zu schützen.
 Vielleicht darf ich stattdessen einfach ganz hier sein.
 Mit allem, was dazugehört.
 Mit der Freude.
 Mit der Dankbarkeit.
 Mit der Wehmut.
 Mit der Liebe.

 Die Mauer um mein Herz ist noch da.
 Aber sie hat Risse bekommen.
 Und irgendwann werde ich sie wieder einreissen.
 Nicht heute.
 Vielleicht auch nicht morgen.

 Doch Schritt für Schritt.
 Bis ich wieder ganz angekommen bin.
 Hier.
 In Finnland.
 Und in diesem besonderen letzten Kapitel. 

01.05 -31.05.2026

Wenn Packen plötzlich schwerfällt

Die letzten Wochen waren eine Reise durch viele Gefühle.
 Es begann mit einer Erschöpfung, die sich nicht mehr wegdiskutieren liess. Mein Körper wurde müde, mein Kopf schwer und mein Herz sehnte sich nach einer Pause. Nicht nach einer Flucht, sondern nach einem Ort, an dem ich einfach sein durfte. Ohne Erwartungen. Ohne Funktionieren. Ohne ständig stark sein zu müssen.

 Eigentlich waren andere Pläne vorgesehen. Doch manchmal schreibt das Leben seine eigenen Geschichten.
 So führte mich mein Weg nach Cloppenburg zu Laura.
 Schon als ich aus dem Zug stieg und sie mit offenen Armen auf mich zukommen sah, wusste ich, dass diese Tage etwas in mir verändern würden. Tränen liefen über mein Gesicht. Nicht aus Traurigkeit. Sondern aus Erleichterung. Aus Dankbarkeit. Aus diesem tiefen Gefühl des Angekommenseins.

 Die Tage bei Laura waren geprägt von Ruhe, ehrlichen Gesprächen und ganz vielen kleinen Momenten, die mein Herz berührten. Wir sassen im Garten zwischen Hühnern und Vogelgezwitscher, spazierten durch Parks, besuchten ein Wildgehege, grillierten gemeinsam und redeten über das Leben.
 Über all das, was sichtbar ist.
 Und über vieles, das oft verborgen bleibt.
 Langsam wurde meine Seele leiser.

 Ich durfte Glaubenssätze loslassen, die ich viel zu lange mit mir herumgetragen hatte. In Gesprächen, beim Coaching und während einer tief berührenden Kakao-Zeremonie entstand etwas Neues in mir. Es fühlte sich an, als würden sich Türen öffnen, die lange verschlossen gewesen waren.
 Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte ich mich wieder ganz bei mir.
 Nicht perfekt.
 Nicht fertig.
 Aber auf einem guten Weg.
 Als ich mich von Laura verabschiedete, fiel es mir schwer. Doch gleichzeitig spürte ich etwas, das ich lange vermisst hatte: Frieden.
 Und ich wusste, dass ich nicht nur von einem Ort zurückkehrte, sondern von einem Zuhause.

 Wieder in der Schweiz angekommen, warteten bereits die nächsten wertvollen Momente auf mich.
 Zeit mit meiner Familie.
 Zeit mit meinen Eltern.
 Zeit mit meinem Neffen Lio.
 An einem warmen Frühlingstag verbrachten wir Stunden in der Badi. Wir lachten, genossen die Sonne und das Wasser und einfach das Zusammensein. Es waren keine spektakulären Erlebnisse. Und gerade deshalb waren sie so kostbar.
 Denn irgendwann erkennt man, dass die schönsten Erinnerungen oft in den ganz gewöhnlichen Augenblicken entstehen.

 Auch die Abende mit meiner Mama bleiben mir in Erinnerung. Gemeinsam sassen wir vor dem Fernseher und schauten die Eishockey-WM. Besonders das Spiel Schweiz gegen Finnland bewegte etwas in mir.
 Zwei Länder.
 Zwei Heimaten.
 Zwei Teile meines Herzens.

 Die Schweiz, in der ich lebe, arbeite und meine Familie habe.
 Finnland, das mich seit Jahren begleitet und prägt.
 Zum ersten Mal hatte ich nicht das Gefühl, mich entscheiden zu müssen.
 Ich durfte beide lieben.
 Je näher die Abreise nach Finnland rückte, desto mehr rückte eine Aufgabe in den Mittelpunkt: das Packen.

 Früher war das etwas, das ich liebte. Wochen vor einer Reise standen die Koffer bereit. Die Vorfreude war riesig und ich konnte es kaum erwarten, aufzubrechen.
 Doch dieses Mal war alles anders.
 Dieses Mal fiel mir das Packen schwer.
 Nicht, weil ich mich nicht auf Finnland freute.
 Sondern weil ich begriffen hatte, wie sehr ich in der Schweiz angekommen bin.
 Ich habe einen Beruf gefunden, den ich liebe. Menschen gefunden, die mich schätzen. Freundschaften aufgebaut, die tragen. Und vor allem habe ich eine Familie, die mein sicherer Hafen geworden ist.
 Zum ersten Mal bedeutete das Packen nicht nur Aufbruch.
 Es bedeutete auch Abschied.

 Und vielleicht ist genau das ein Zeichen dafür, dass Heilung stattgefunden hat.
 Früher waren Reisen oft mit der Sehnsucht verbunden, irgendwo anders zu sein.
 Heute weiss ich, dass ich nicht mehr wegmuss, um glücklich zu werden.
 Ich darf reisen, weil ich es möchte.

 Und ich darf zurückkehren, weil ich weiss, dass jemand auf mich wartet.
 Am letzten Abend vor meiner Abreise sass ich mit meiner Mama und meiner Patentante zusammen. Wir assen Pulla, schauten den Schweizer Viertelfinal und freuten uns über den Sieg der Nationalmannschaft. Es war einer dieser einfachen Abende, die man erst später als besonders erkennt.
 Dann kam der Sonntag.
 Der Tag der Abreise.

 Meine dritte Reise nach Finnland begann.
 Doch dieses Mal sass ich mit einem anderen Gefühl im Flugzeug.
 Mit Dankbarkeit.
 Mit Wehmut.
 Und mit dem Wissen, dass es für die nächsten vier Jahre das letzte Mal sein würde.

 Als die Schweiz unter mir kleiner wurde, dachte ich an all die Menschen, die meinen Weg in den letzten Wochen begleitet hatten. An Laura. An meine Eltern. An meinen Bruder, meine Schwägerin und meinen Neffen. An Freunde. An Kollegen. An all die Menschen, die mir gezeigt haben, dass ich nicht alleine unterwegs bin.

 Früher bedeutete Reisen für mich vor allem die Vorfreude auf das Neue.
 Heute weiss ich etwas anderes.
 Das Schönste an einer Reise ist nicht der Ort, an den man geht.
 Das Schönste sind die Menschen, zu denen man zurückkehren darf.
 Und vielleicht ist genau das Heimat.
 Nicht ein Land.
 Nicht eine Stadt.
 Sondern Menschen, bei denen das Herz zur Ruhe kommt. 

01.04 - 30.04.2026

Die Möglichkeit hinter der Angst

Manchmal verändert sich das Leben nicht durch einen einzigen grossen Moment.
 Manchmal geschieht Veränderung in vielen kleinen Schritten. In Entscheidungen, die uns Mut kosten. In Begegnungen, die uns stärken. In Augenblicken, in denen wir uns fragen, ob wir wirklich bereit sind – und trotzdem weitergehen.
 Die Wochen zwischen Ende März und Anfang Mai 2026 fühlten sich genau so an.
 Eigentlich begann alles mit einer Erkenntnis, die einfacher klingt, als sie im Alltag umzusetzen ist: Ich brauche Pausen.

 Nach intensiven Wochen voller Prüfungen, Erwartungen und Termine schenkte mir Ostern etwas, das lange zu kurz gekommen war: Ruhe. Ausschlafen. Spaziergänge. Zeit mit meinen Eltern. Orte entdecken. Einfach sein, ohne ständig etwas leisten zu müssen.

 Und doch zeigte sich schon in diesen ruhigen Tagen, dass das Leben selten stillsteht.

 Eine Frage beschäftigte mich immer wieder: Soll ich den Berufsbildnerkurs bereits im April beginnen oder erst im Dezember?

 Eine kleine Entscheidung auf dem Papier. Und doch stand dahinter etwas Grösseres: Bin ich bereit für den nächsten Schritt?
 Diese Frage begleitete mich weiter.

 Als ich wenige Tage später tatsächlich im Kursraum sass, war die Nervosität spürbar. Neue Menschen. Neue Themen. Neue Erwartungen. Wieder ein Schritt ins Unbekannte.

 Doch genau dort passierte etwas, das mich in den kommenden Wochen begleiten sollte.

 Ich merkte, dass Wachstum selten angenehm beginnt.
 Es beginnt oft mit Unsicherheit.
 Mit Zweifeln.
 Mit dem Gefühl, nicht genau zu wissen, was einen erwartet.
 Und trotzdem entstand bereits nach kurzer Zeit etwas Schönes. Gespräche. Begegnungen. Neue Verbindungen. Die Freude am Lernen, die ich längst verloren geglaubt hatte, meldete sich zurück.

 Gleichzeitig lief mein gewohntes Leben weiter. Die Arbeit mit den Jugendlichen erfüllte mich nach wie vor. Immer wieder wurde mir bewusst, wie dankbar ich dafür bin, einen Beruf auszuüben, der mich nicht nur fordert, sondern auch berührt.

 Daneben waren da die Menschen, die mein Leben tragen.
 Freunde.
 Familie.
 Meine Oma.
 Moni.
 Meine Cousine, die sich verlobte.
 Gemeinsame Essen. Gespräche in Cafés. Zugfahrten. Familiennachmittage. Ein Junggesellinnenabschied voller Lachen. Ein Adonia-Konzert, das berührte. Ein Breath-Workshop, der etwas in mir löste, das ich nicht einmal benennen kann.
 Nichts davon veränderte mein Leben auf spektakuläre Weise.
 Und doch veränderte jedes dieser Erlebnisse etwas in mir.
 Vielleicht, weil sie mich immer wieder daran erinnerten, was wirklich zählt.

 Nicht die To-do-Liste.
 Nicht die Leistung.
 Sondern die Menschen.
 Die Verbundenheit.

 Die Augenblicke, in denen wir uns lebendig fühlen.
 Je näher die mündliche Eignungsprüfung rückte, desto lauter wurden allerdings auch die Zweifel.

 Bin ich gut genug?
 Reiche ich aus?
 Kann ich dieser Aufgabe gerecht werden?

 Ich versuchte, mich abzulenken. Suchte Gespräche. Gönnte mir bewusste Auszeiten. Doch die eigentliche Herausforderung sass nicht im Aussen.
 Sie sass in mir.

 Die Prüfung rückte näher und nahm immer mehr Raum ein.
 Und dann war er da.
 Der Tag.
 Der 27. April.

 Ich erinnere mich an die Nervosität am Morgen. An dieses Gefühl, gleichzeitig voller Hoffnung und voller Angst zu sein. Mein Herz schlug schneller als sonst. Gedanken überschlugen sich.
 Doch irgendwann sass ich dort.
 Im Gespräch.
 Und plötzlich geschah etwas Unerwartetes.
 Ich musste niemand anderes sein.
 Keine perfekte Version von mir.
 Keine Rolle spielen.
 Keine Maske tragen.
 Ich beantwortete die Fragen mit dem, was ich in den letzten Jahren gelernt hatte. Mit meinen Erfahrungen. Mit meinen Werten. Mit meiner Geschichte.
 Zum ersten Mal wurde mir bewusst, wie viel ich bereits mitbringe.
 Nicht trotz meiner Erfahrungen.
 Sondern gerade wegen ihnen.

 Als das Gespräch vorbei war, blieb dennoch Unsicherheit zurück. Keine Ahnung, ob es gereicht hatte. Keine Gewissheit. Nur Müdigkeit.
 Also tat ich das Einzige, was möglich war.
 Ich lebte weiter.
 Arbeitete.
 Verbrachte Zeit mit meiner Oma.
 Lachte.
 Funktionierte.
 Wartete.
 Bis zu jenem Abend.
 Ein Umschlag auf dem Tisch.
 Ein Herzschlag, der plötzlich viel zu laut wurde.
 Ein Moment, der sich grösser anfühlte als die wenigen Sekunden, die er tatsächlich dauerte.

 Und dann stand es dort.
 Bestanden.
 Aufgenommen.
 Weitergehen dürfen.

 In diesem Augenblick brachen Wochen voller Anspannung in sich zusammen. Die Tränen kamen nicht aus Traurigkeit. Sie kamen aus Erleichterung. Aus Dankbarkeit. Aus dem Wissen, dass sich all die Zweifel, die Ängste und die schlaflosen Nächte gelohnt hatten.

 Doch wenn ich heute auf diese Wochen zurückblicke, denke ich nicht zuerst an die Zusage.
 Ich denke an etwas anderes.

 Ich denke an die vielen Momente dazwischen.
 An die Menschen, die mich getragen haben.
 An die Gespräche, die mir Kraft gegeben haben.
 An die Ruhe, die ich lernen musste zuzulassen.
 An die neuen Erfahrungen, die mich wachsen liessen.
 Und an die Erkenntnis, dass Angst oft nicht das Ende eines Weges markiert.
 Sondern seinen Anfang.

 Denn hinter vielen meiner Ängste wartete in diesen Wochen keine Niederlage.
 Sondern eine Möglichkeit.
 Eine Möglichkeit zu wachsen.
 Eine Möglichkeit zu lernen.
 Eine Möglichkeit, meinem Traum einen Schritt näherzukommen.
 Vielleicht ist genau das die wichtigste Lektion dieser Zeit:

 Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben.
 Mut bedeutet, die Angst mitzunehmen und trotzdem loszugehen.
 Denn oft versteckt sich hinter der Angst genau das Leben, von dem wir träumen. 

23.02 - 29.03.2026

Zwischen Feuer, Zweifel und Vertrauen

Manchmal blicken wir auf mehrere Wochen zurück und erkennen erst dann, was sie wirklich waren.
Nicht einzelne Tage.
Nicht einzelne Ereignisse.
Sondern ein Kapitel.

Die Wochen zwischen Ende Februar und Ende März 2026 waren für mich genau das: ein Kapitel voller Aufbruch, Hoffnung, Unsicherheit und Wachstum.
Alles begann mit einer Entscheidung.
Einer Entscheidung, die gleichzeitig Mut und Angst bedeutete.

Ich hielt die Unterlagen für die sozialpädagogische Schule in Aarau in den Händen und wusste: Wenn ich diesen Brief abschicke, könnte sich mein Leben verändern. Es war mehr als eine Bewerbung. Es war ein Bekenntnis zu einem Traum. Zu einer Zukunft, die ich mir wünschte, aber noch nicht greifen konnte.
Als der Brief auf der Post lag, begann das Warten.
Und mit dem Warten kamen die Fragen.

Bin ich gut genug?
Reicht das, was ich kann?
Schaffe ich das überhaupt?

Doch während meine Gedanken kreisten, ging das Leben weiter. Die Jugendlichen bei der Arbeit holten mich immer wieder zurück ins Hier und Jetzt. Freunde, Familie und Begegnungen schenkten mir Momente, in denen die Sorgen für kurze Zeit leiser wurden.

Dann kam die Zusage zur Prüfung.
Die Freude war riesig.

Doch wie so oft stand der Zweifel bereits hinter der nächsten Ecke und wartete.
Während ich lernte, arbeitete und mich vorbereitete, durfte ich gleichzeitig erleben, wie wertvoll die Menschen um mich herum sind. Ein Foodtrail mit Nicole in Liechtenstein, Gespräche mit meiner Cousine, Begegnungen bei politischen Standaktionen oder ein Brunch mit Elina – all diese Momente hatten etwas gemeinsam: Sie erinnerten mich daran, dass das Leben nicht nur aus Zielen besteht, sondern aus den Menschen, die den Weg mit uns gehen.

Ein besonderer Moment war der Besuch im Bundeshaus.
Dort, wo politische Entscheidungen getroffen werden, spürte ich plötzlich wieder etwas, das lange nur leise in mir vorhanden gewesen war.
Ein Feuer.
Die Begeisterung für Politik.
Für Veränderung.
Für das Schreiben.
Für die Möglichkeit, Spuren zu hinterlassen.
Es war, als hätte mir dieser Tag gezeigt, dass manche Träume nicht verschwinden. Sie warten nur darauf, wieder entdeckt zu werden.
Doch kaum war diese Begeisterung zurück, meldete sich mein Körper.
Eine Erkältung schlich sich ein. Die Energie wurde weniger. Die Prüfung rückte näher.

Und plötzlich stand ich vor einer Herausforderung, die grösser war als jede Vorbereitung: mir selbst zu vertrauen.
Die Probeprüfung gelang knapp.
Eigentlich hätte mich das beruhigen sollen.
Doch stattdessen wurden die Zweifel lauter.
Ich fragte mich immer wieder, ob ich bereit sei.
Ob mein Wissen reicht.
Ob ich genüge.
Dann kam der Prüfungstag.
Ich erinnere mich an die Nervosität. An die Stille im Raum. An die zitternden Hände.

Aber ich erinnere mich auch daran, dass ich diesmal nicht einfach losgeschrieben habe.
Ich hielt inne.
Ich nahm mir Zeit.
Ich vertraute meinem Denken.
Und während ich schrieb, geschah etwas Unerwartetes.
Die Angst verschwand nicht.
Aber sie verlor ihre Macht.
Zwei Stunden später war die Prüfung vorbei.
Und obwohl die Zweifel danach zurückkehrten, wusste ich tief in mir, dass ich etwas geschafft hatte.
Nicht, weil alles perfekt gewesen wäre.
Sondern weil ich geblieben war.
Weil ich mich der Situation gestellt hatte.
Trotz Krankheit.
Trotz Unsicherheit.
Trotz Angst.

Während ich auf das Resultat wartete, trugen mich die Menschen um mich herum weiter. Ein Wochenende bei Moni. Gespräche, die guttaten. Ein Gottesdienst, der Ruhe schenkte. Ein gemeinsames Essen mit Menschen, die sich Zeit nahmen. Nicht weil sie mussten, sondern weil ihnen Gemeinschaft wichtig war.
Diese Momente wirkten unscheinbar.
Doch genau sie waren es, die mich durch diese Zeit trugen.

Dann kam der Brief.
Wieder dieses Herzklopfen.
Wieder dieses Zittern.
Und dann die Nachricht:
Bestanden.
Die Einladung zur mündlichen Prüfung.
Ein Augenblick voller Erleichterung.

Ein Augenblick, der zeigte, dass sich all die Mühe, all die Zweifel und all die schlaflosen Nächte gelohnt hatten.

Doch vielleicht war die wichtigste Lektion dieser Wochen eine andere.
Denn kurz darauf zeigte mir mein Körper erneut seine Grenzen. Kopfschmerzen, Erschöpfung und die Erkenntnis, dass selbst die grösste Motivation irgendwann an ihre Grenzen kommt. Ich musste Pläne absagen, Ruhe zulassen und akzeptieren, dass nicht jeder Tag ein Tag zum Kämpfen ist.
Und genau dort lernte ich etwas Entscheidendes:
Manchmal besteht Stärke nicht darin, weiterzugehen.
Manchmal besteht Stärke darin, stehen zu bleiben.
Sich auszuruhen.
Hilfe anzunehmen.
Dem Körper zuzuhören.

Wenn ich heute auf diese Wochen zurückblicke, denke ich nicht zuerst an Prüfungen oder Resultate.

Ich denke an Menschen.
An Gespräche.
An Freundschaften.
An ein Feuer, das neu entfacht wurde.
An Zweifel, die mich begleitet haben.
Und an das Vertrauen, das langsam gewachsen ist.
Diese Wochen haben mir gezeigt, dass das Leben nicht perfekt sein muss, um wunderschön zu sein.

Dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben.
Dass Erfolg nicht immer in einem Resultat liegt.
Und dass wir oft viel stärker sind, als wir selbst glauben.
Denn unser Weg entsteht selten in den grossen Momenten.
Er entsteht in all den kleinen Augenblicken dazwischen.
Dort, wo wir weitergehen.
Dort, wo wir vertrauen.
Und dort, wo wir erkennen, dass wir nie alleine unterwegs sind.

16.02 -22.02.2026

Kleine Schritte, grosse Wirkung

Schon sind wir wieder mitten im Februar angekommen. Die Zeit scheint im Moment schneller zu laufen als sonst. Zwischen Terminen, Gedanken und dem ganz normalen Alltag stand diese Woche ein Coaching an – und ganz bewusst auch ein bisschen Selbstfürsorge.

Im Coaching sprangen wir von Thema zu Thema, wie das manchmal so ist, wenn das Herz viel zu erzählen hat. Und irgendwann landeten wir wieder bei diesem altbekannten Glaubenssatz: „Ich bin nicht gut genug.“ Ein Satz, der sich leise und hartnäckig durchs Leben ziehen kann.

Doch dieses Mal durfte wieder ein Teil davon gehen.

Es war, als würde sich etwas lösen. Als würde ein Knoten ein wenig lockerer werden. Eine spürbare Erleichterung durchflutete mich – sanft, aber deutlich. Und vielleicht war es genau deshalb, dass ich in dieser Nacht endlich wieder tief und gut schlafen konnte.

Manchmal zeigt der Körper sehr klar, wenn etwas in uns leichter geworden ist.

Am Samstag habe ich mir etwas gegönnt, was ich sonst eher selten tue: Ich liess mir die Nägel machen – und gleich auch noch die Füsse. Ein kleiner Luxus, der sich dieses Mal nicht nach Oberflächlichkeit, sondern nach echter Fürsorge angefühlt hat. Als würde ich mir selbst sagen: Du bist es wert, dir etwas Gutes zu tun.

Das Wetter spielte am Wochenende nicht wirklich mit. Grau, nass, ungemütlich. Und doch war genau das vielleicht ein kleines Geschenk. So konnte ich ganz ohne schlechtes Gewissen Zeit bei meiner Kollegin verbringen. Ein gemütlicher Nachmittag mit Kaffee und Kuchen, Musik im Hintergrund und Gesprächen, die einfach gut tun.

Diese einfachen Momente sind oft die wertvollsten.

Am Sonntag war dann bewusst Pause angesagt. Einfach sein. Nichts müssen. Und genau da merkte ich einmal mehr, wie schwierig mir das manchmal noch fällt. Einfach gar nichts tun – ohne Plan, ohne Aufgabe, ohne Ziel.

Trotzdem gelang es mir ein Stück weit.

Ich schrieb ein wenig, nahm mir Zeit für meine Gedanken und arbeitete sanft an mir weiter. Und am Ende des Tages lag ich entspannt in der Badewanne, das warme Wasser um mich herum, und spürte: Es darf auch ruhig sein. Ich darf auch einfach nur sein.

Vielleicht sind es genau diese kleinen Schritte, die uns weiterbringen. Nicht die grossen Veränderungen über Nacht, sondern die leisen Momente der Erkenntnis. Ein Glaubenssatz weniger. Eine Nacht besser geschlafen. Ein Nachmittag voller echter Gespräche. Ein bisschen mehr Freundlichkeit mit sich selbst.

Und vielleicht ist genau darin Zuversicht verborgen.

Dass wir Schritt für Schritt lernen dürfen, uns selbst mit weicheren Augen zu sehen.
Dass Heilung nicht laut sein muss.
Und dass wir manchmal genau dort wachsen, wo wir uns erlauben, einfach Mensch zu sein.

09.02. - 15.02.2026

Zwischen Sturm und Zuversicht

 Die Woche rauscht nur so vorbei. Termine, Begegnungen, Gedanken – alles fliesst ineinander über. Und mittendrin stehe ich und spüre etwas, das ich lange gesucht habe: Ich bin froh, wieder bei TERRA EST VITA zu sein. Das ganz normale Chaos, die vielen kleinen Aufgaben, die Unvorhersehbarkeit des Alltags. Und überraschenderweise geniesse ich es.

 Hätte mir früher jemand gesagt, dass ich einmal Struktur gegen Flexibilität tauschen würde, ich hätte wohl nur gelacht. Doch das Leben hat seine eigene Art, uns Wege zu zeigen, die wir vorher nicht sehen konnten.

 Am Mittwoch durfte ich bei Kontiki aushelfen. Es tat mir gut. Ein paar Stunden an einem anderen Ort, mit anderen Menschen, und doch mit dem Gefühl, genau dort zu sein, wo ich im Moment sein soll. Manchmal sind es gerade diese kleinen Zwischenstopps, die uns zeigen, dass wir angekommen sind – auch wenn noch nicht alles ruhig ist.

 Denn in mir drin tobt noch immer ein Sturm.
 Und vielleicht ist genau das in Ordnung.

 Es ist Zeit hinzusehen. Nicht hastig, nicht mit Druck. Sondern langsam. Schritt für Schritt. Zeit, Ziele zu setzen, Gedanken aufzuschreiben, Themen zu ordnen. Zeit, wieder vorwärtszugehen – nicht perfekt, sondern ehrlich.
 Und dann steht da dieser Tag im Kalender: Valentinstag. Früher war er für mich einfach ein Tag wie jeder andere. Dieses Jahr fühlt er sich schwerer an. Ohne Partner. Und doch weiss ich, dass ich von so viel Liebe umgeben bin. Von Menschen, die da sind. Von Momenten, die tragen.
 Trotzdem bleibt manchmal dieses leise Gefühl von Einsamkeit.
 Und auch das darf sein.

 Ich weine. Ich lasse die Gefühle zu. Ich halte sie nicht mehr fest, aber ich schiebe sie auch nicht mehr weg. Ich nehme sie an, so wie sie sind. Manchmal lasse ich mich einfach treiben – im Vertrauen, dass auch diese Wellen irgendwann wieder ruhiger werden. Und dann kommt ein neuer Tag.

 So wie dieser Sonntag. Ich bin aufgewacht, habe tief durchgeatmet und gemerkt: Da ist wieder ein Lächeln. Ganz leise, aber echt. Da ist wieder Zuversicht. Das Gefühl, dass alles – auch das Schwierige – irgendwie seine Richtigkeit hat.
 Und da ist der Mut.
 Der Mut, weiterzugehen. Schritt für Schritt.
 Nicht weil alles klar ist.
 Sondern weil ich weiss, dass ich unterwegs bin. 

01.02. - 08.02.2026

Zwischen Müdigkeit und Aufbruch

 Ich wache am 1. Februar mit einer leisen Vorfreude auf – und mit den Spuren einer unruhigen Nacht. Der Tag beginnt, wie ich ihn mir gewünscht habe: mit Ausschlafen, mit dem warmen Gefühl, noch ein wenig im eigenen Rhythmus bleiben zu dürfen. Und doch liegt etwas unter der Oberfläche, ein leises Rühren, das sich nicht einfach wegschlafen lässt.

 In der Nacht zuvor hatte ich Laura noch geschrieben. Ein paar ehrliche Zeilen darüber, was gerade in mir lebt, welche Themen sich melden, welche Fragen drängen. War ich bereit, wirklich hinzuschauen? Nein. Und von Annahme war ich meilenweit entfernt. Trotzdem war ich dankbar für die Müdigkeit in meinem Körper – sie hat mich sanft in den Schlaf getragen, als der Kopf zu laut wurde.

 Am Morgen spüre ich: Es ist besser. Nicht gut. Nicht gelöst. Aber ein kleines Stück ruhiger. Ich schiebe das Schwierige vorsichtig zur Seite, nicht aus Verdrängung, eher wie ein Versprechen an mich selbst: Ich komme darauf zurück – nur noch nicht heute.

 Stattdessen füllt sich der Tag mit Vorfreude. Der Gedanke an Montag nimmt Raum ein – ich darf zurück zu TERRA EST VITA. Zurück in einen Ort, der sich für mich wie Zuhause anfühlt.

 Und tatsächlich: Am Montag stehe ich früh auf, schon um 06:30 bin ich unterwegs ins Büro. Die Stille des Morgens begleitet mich. Ich arbeite ein paar Pendenzen ab, sortiere, bereite vor. Um 07:30 kommen die ersten Jugendlichen – und mit ihnen kehrt Leben ein. Es fühlt sich an wie Ankommen. Es gibt tolle Gespräche, echte Begegnungen, Momente, die mich berühren und tragen.

 Doch das Leben bleibt keine gerade Linie. Am Dienstagabend merke ich, wie es wieder schwieriger wird. Neuerdings habe ich am Mittwoch frei – ein Geschenk, eigentlich. Und doch konfrontiert mich dieser freie Tag mit mir selbst. Zum Glück bin ich verplant: Zahnarztkontrolle, ein neuer Haarschnitt. Kleine Dinge, die Struktur geben, die mich beschäftigen, während ich meine Themen weiter behutsam auf Abstand halte.

 Die restliche Woche ist schön. Lebendig. Sinnvoll. Ich bin müde – aber auch glücklich. Und trotzdem schleicht sich etwas anderes dazu: eine Schwere, die sich langsam in mir ausbreitet. Mein Lächeln ist noch da, aber es fühlt sich nicht mehr ganz so frei an. Ich weiss: Es wäre Zeit, mich hinzusetzen und mir alles von der Seele zu schreiben.

 Doch dann beginnt Olympia.

 Und ich erlaube mir die Ablenkung. Ich lasse mich treiben, schaue Wettkämpfe, tauche ein in fremde Geschichten, starke Leistungen, grosse Emotionen. Es ist meine Pause. Mein Atemholen. Nicht Flucht – eher ein sanfter Umweg.

 Ich weiss, dass die Themen bleiben. Ich weiss auch, dass ich mich ihnen stellen werde. Aber ich weiss ebenso: Hoffnung wächst nicht nur im Schweren, sondern auch in den Momenten, in denen wir uns erlauben, leicht zu sein.

 Und so gehe ich weiter – müde, hoffnungsvoll, ehrlich mit mir selbst, Schritt für Schritt in diesen Februar hinein. 

25.01 - 31.01.26

Es lohnt sich, weiterzugehen

 Manchmal beginnt Stärke ganz leise – an einem gemütlichen Sonntagmorgen, mit einer Tasse Kaffee in der Hand und einem ruhigen Gefühl im Herzen. Kein Druck. Kein Muss. Einfach sein dürfen.

 Am Nachmittag machte ich mich auf den Weg zu meinem Patenonkel und meiner Patentante. Theater stand auf dem Programm – mein Geburtstagsgeschenk, gemeinsam mit Nicola, dem zweiten Patenkind. Zuerst sassen wir zusammen, assen in dieser besonderen Theater Location, redeten und lachten. Man spürte eine vertraute Wärme. Und dann begann das Stück: eine geniale Idee, so leicht, so witzig, so voller Leben, dass wir uns vor Lachen kaum halten konnten. In den Gesprächen beim Essen und in der Pause wurde mir bewusst, wie sehr ich diese gemeinsame Zeit vermisst hatte. Es war ein Abend, den ich in vollen Zügen genoss – voller Nähe, Verbundenheit und Freude.

 Doch das Leben bleibt selten nur leicht. Die Woche darauf verlief nicht ganz
 reibungslos. Am Mittwoch fühlte ich mich erschöpft – vor allem mental. Ich sagte kurzfristig ein Telefonat mit Laura ab und bemühte mich, mich dafür nicht sofort als unzuverlässig zu verurteilen. Am Abend lag ich in der Badewanne, liess das warme Wasser über mich fliessen und fand langsam wieder Ruhe in mir.

 Am Freitag übernachtete ich bei meiner Oma. Ich genoss diese Zeit sehr, liess mich verwöhnen und spürte viel Geborgenheit. Am Samstagmorgen ging es weiter – mit frischen Gipfeli zu meinem Grossvater und meiner Tante. Wir hatten tolle Gespräche, tauschten Neuigkeiten aus und lachten viel, bevor ich meine Reise nach Eglisau fortsetzte.

 Am Nachmittag stand das Pensionierungsfeier meines Patenonkels an. Was für ein schöner Event. Ich traf viele Verwandte und Bekannte, führte wertvolle Gespräche – und erfuhr dabei, dass ich zum zweiten Mal Tante werde. Diese Nachricht brachte mich kurz aus dem Gleichgewicht, aber gleichzeitig freute ich mich riesig für meinen Bruder und seine Frau.

 Nicola war ebenfalls da und stellte mir seine Freundin vor. Die beiden zusammen waren einfach Liebe pur. Auch lernte ich endlich den Freund meiner Cousine Elina kennen – ebenfalls ein wunderschönes Paar. Überall spürte man Verbindung, Zuneigung und Lebensfreude.

 Um 23:39 Uhr verliess ich mit meinen Eltern das Fest und machte mich auf den Heimweg. In dieser Nacht fiel mir das Einschlafen schwerer. Gedanken kamen hoch: Bin ich glücklich ohne Partner? Wie fühlt es sich an, wieder über eine eigene Familie nachzudenken?
 Und schliesslich konnte ich tief in mir sagen: Ja – ich bin glücklich.
 Die Arbeit mit Jugendlichen erfüllt mich. Ich darf begleiten, stärken, ermutigen und da sein. Auch wenn ich gerade nicht in einer Partnerschaft bin, bleibe ich offen für Liebe und Begegnungen – und ich gebe Liebe an die Menschen um mich herum und Schritt für Schritt auch an mich selbst.

 Diese Tage haben mir gezeigt: Es lohnt sich, weiterzugehen. Auch wenn es anstrengend ist. Auch wenn es Fragen gibt. Auch wenn der Weg nicht geradlinig ist. Zwischen all den Momenten – den leichten und den schweren – liegt etwas Kostbares: ein lebendiges, fühlendes, mutiges Herz.

 Und es ist für mich auch okay, dass ich mich zwischendurch einsam fühle ohne Partner an meiner Seite – auch wenn ich von so vielen Freunden und meiner Familie getragen und mit Liebe umgeben bin.

 Mit diesem Wissen gehe ich weiter. Schritt für Schritt. Mit Vertrauen, Offenheit und Liebe. 

16.01 - 24.01.2026

Getragen durch Freundschaft, Glauben und Berufung

Der Rest der Woche war irgendwie wie im Nebel.
Ich war da – und gleichzeitig auch nicht.
Umso dankbarer war ich für die Auszeit bei Moni, einer meiner besten Freundinnen.

Die Zeit mit ihr tut mir einfach gut. Bei ihr darf ich ich sein. Ich werde genommen, wie ich bin. Sie steht zu mir und macht mir Mut. Und mit ihr kann ich über Gott und den Glauben sprechen – offen, ehrlich, ohne Erklärungen.
Mit ihr gehe ich früh ins Bett, wir hören Kinderhörspiele und gehen am Sonntagmorgen gemeinsam in den Gottesdienst.
Das alles erdet mich. Es tut mir gut. Und ich merke, wie sich meine Batterien wieder füllen.

Ich bin so froh, sie an meiner Seite zu haben.
Am Sonntag haben wir gekocht – also auf unsere Art.
Es gab Toast Hawaii, dazu ein paar gute Krimi-Serien wie Death in Paradise und Grantchester. Nichts Grosses. Aber genau richtig.

Mit dieser Ruhe im Herzen startete ich in die neue Woche.

Am Montag war ich bei Kontiki und erledigte so einiges.
Am Dienstag stand ich früh auf, denn für mich ging es zurück zu TERRA EST VITA. Dieser eine Tag in der Woche. Ein Nach-Hause-Kommen nach dem Vermissen. Es gab neue Gesichter und ein herzliches Willkommen von jenen, die ich bereits kannte. Es war ein wundervoller Tag. Ich genoss jeden Augenblick. Und das frühe Aufstehen machte mir wieder einmal gar nichts aus – weil ich zu meiner Berufung zurückkehrte.
Dieses Gefühl trug mich durch die ganze Woche.

Am Wochenende hiess es dann ankommen und zur Ruhe kommen.
Ich liess mir die Nägel machen, arbeitete weiter an meinen Zielen und schaute Skirennen.

Ein ruhiger Samstag.
Und genau das, was ich gebraucht habe.

10.01. - 15.01.2026 

Wenn die Batterien sich leise füllen und der Mut wieder laut wird

 Manchmal merkt man erst rückblickend, wie viel in einer einzigen Woche passiert ist.

 Die Woche hatte mich müde gemacht.
 Nicht dramatisch. Einfach dieses leise erschöpft sein, das sich einschleicht, wenn vieles gleichzeitig läuft.

 Am Samstag stand der Call mit Laura an. Wir sprachen über unsere Ziele. Und dabei wurde mir etwas klar, das mich schon länger begleitet hatte:
 Ich hatte nicht wirklich die Überzeugung, dass zwei gute Jahre hintereinander möglich sind.

 Dieser Gedanke liess mich nicht ganz los. Also setzte ich mich hin und schrieb – endlich – einen Teil meiner Ziele nieder. Nicht perfekt, nicht vollständig, aber ehrlich.

 Am Nachmittag machte ich einen Spaziergang mit meinen Eltern. Die Nervosität stieg langsam an, denn der Sonntag wartete bereits. Früh aufstehen, noch vor fünf Uhr, und dann die Reise nach Adelboden. Mit meinem Bruder, meinem Papa und Urs. Wir hatten Tickets für den Slalom.
 Ich liebte es.

 Diese Stimmung. Dieses gemeinsame Unterwegssein. Dieses kleine Abenteuer.
 Ich genoss jeden Moment. Eindrückliche Augenblicke, wie jener des japanischen Fahrers, der es in den zweiten Lauf schaffte und seinen Erfolg feierte, als hätte er gerade gewonnen. Und wir feierten mit.

 Dort wurden meine Batterien wieder geladen – ganz ohne Plan, ganz ohne Ziel.

 Die neue Woche startete ruhig. Ein bisschen müde, aber überglücklich begann ich meine Arbeit. Die Tage waren dicht gefüllt, viele Termine. Einer davon gleich am Montag: die Parteiversammlung der Stadt FDP.

 Gegen Ende der Versammlung kam die Frage, ob ich am Mittwoch durch den Abend führen möchte. Thema: Wie werde ich Bundesrat.
 Ich sagte zu.
 Und mein Puls schoss in die Höhe.

 Nicht einmal 48 Stunden, um wieder einmal deutlich aus meiner Komfortzone zu treten.

 Noch am selben Abend erarbeitete ich ein Konzept, formulierte Fragen und schickte sie den drei Politikern. Danach schrieb ich alles nochmals von Hand auf kleine Zettel – damit es sich nicht nur im Dokument, sondern auch in meinem Kopf verankerte.
 Am Mittwoch war es so weit.
 Ich war nervös. Gespannt. Und ich spürte, dass dieser Moment etwas verändern würde.
 Und dann habe ich es durchgezogen.
 Nach diesem Abend war ich stolz auf mich. Ich hatte es geschafft – und ich hatte es gut gemacht. So gut, dass sich darauf aufbauen lässt.
 Vor allem aber brannte etwas wieder heller in mir: mein Wunsch, mich politisch zu engagieren.

 Also stellte sich die nächste Frage ganz automatisch: Wie geht es weiter?
 Will ich diesem Ruf endlich folgen?

 Die Antwort in mir war klar.

 Auch wenn ich keine Ahnung habe, ob mich das Stimmvolk jemals wählen würde.
 Auch wenn noch vieles offen ist.

 Ich bin bereit. 

05.01. - 09.01.2026

Zwischen Aufbruch und Rückkehr

 Am 05.01. begann ich bei Kontiki. Ein kurzer Abstecher, ein bewusstes Innehalten, bevor ich im Februar wieder zu Terra est Vita zurückkehre. Nach ein paar freien Tagen fiel mir der Weg zurück in den Arbeitsalltag überraschend schwer. Der Kopf wusste, es ist richtig – das Herz brauchte einen Moment länger.

 Doch dann war da diese herzliche Begrüssung. Offen, ehrlich, vertraut. Die Menschen bei Kontiki machten es mir leicht anzukommen. Es fühlte sich an wie ein Nachhausekommen. In meiner Zeit in Finnland hatte ich mit vielen aus dem Büro zusammengearbeitet, und plötzlich waren da nicht nur Namen, sondern vertraute Gesichter, Erinnerungen, Verbindungen. Die Anspannung, die ich mitgebracht hatte, fiel leise von mir ab.

 Am Montag wurde ich eingearbeitet. Schritt für Schritt. Ohne Druck. Ich verstand die Aufgaben schnell und fand meinen Rhythmus. Und am Donnerstag kam das Päckli-Einpacken dazu. Eine Arbeit, die ich mag. Sie hat etwas Meditatives. Etwas Gemütliches. Etwas Entschleunigendes. Handgriffe, die Ruhe bringen, Gedanken, die langsamer werden dürfen.

 Manchmal fällt es mir schwer, zur Arbeit zu gehen. Der innere Widerstand ist da. Doch fast immer merke ich: Sobald ich dort bin, wird es leichter. Ich mag, was ich tue. Auch wenn mein Herz für eine andere Branche schlägt, bin ich unfassbar dankbar für diese Zeit. Für diese Erfahrung. Für die schönen Momente. Für die neuen Herausforderungen.

 Vielleicht ist genau das genug. Für jetzt. 

01.01. -04.01.2026

Ankommen im neuen Jahr
 Das neue Jahr hat begonnen – und im Gegensatz zu früher hatte ich noch keine Ziele definiert. Keine grossen Visionen, keine Zwischenziele, keinen Plan. Und vor allem: keine Bereitschaft dazu.

 Ich fühlte mich müde und erschöpft und war ehrlich gesagt einfach froh, dass der Trubel rund um Weihnachten und Silvester vorbei war.
 In diesen Tagen machte ich viele Spaziergänge mit meinen Eltern. Schritt für Schritt, ohne Eile. Doch irgendwann wurde die innere Unruhe zu gross. Also setzte ich mich hin und schrieb zumindest meine grossen Ziele für 2026 auf. Kaum standen sie auf dem Papier, spürte ich den Druck, den ich mir selbst auferlegte – sofort. Körperlich. Innerlich.

 Eigentlich kenne ich meine Ziele. Ich weiss auch, welche Schritte dazugehören. Doch sie zu kennen ist etwas anderes, als sie schwarz auf weiss vor sich liegen zu haben. Um den Druck herauszunehmen, legte ich alles wieder zur Seite.

 Ich gönnte mir eine Auszeit in der Badewanne und versuchte, mein inneres Gleichgewicht wiederzufinden.

 Die ersten Tage im neuen Jahr waren überraschend schwierig. Und das Unangenehmste daran: Ich wusste nicht, warum. Diese Frage liess mich nicht los. Denn das alte Jahr war so gut gewesen – und nun fühlte es sich an, als hätte mir jemand plötzlich die Luft aus den Lungen gesaugt.

 Energielos. Antriebslos. Und immer wieder diese Frage: Was ist mit mir los? Warum lächle ich nicht mehr so wie zuvor?
 Das Schwierige ist: Bis heute habe ich darauf keine Antwort.
 Aber ich entscheide mich dafür, genau das anzunehmen. Nicht sofort zu verstehen. Nicht sofort zu lösen. Sondern auszuhalten. 

27.12 - 31.12

Zwischen Ankommen und Aufbruch

 Nach meinem Geburtstag macht sich eine sanfte Müdigkeit breit. Keine schwere, eher eine ehrliche. Ich geniesse es, auszuschlafen, wieder in meinem eigenen Bett zu liegen und einfach anzukommen. Es fühlt sich nach Nachklang an – nach einem Innehalten, das gut tut.

 27. Dezember – Nähe und Langsamkeit
Der Tag beginnt gemütlich. Ich verbringe Zeit mit Mama und Papa, wir lachen, reden und lassen es ruhig angehen. Nebenbei machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant für Silvester. Vieles ist bereits ausgebucht – wenig überraschend. Zwischendurch arbeite ich an meinen Zielen für 2026. Ich spüre Motivation, aber auch deutlich: Ein paar Tage Ruhe würden mir gerade sehr guttun.

 28. Dezember – Eine Entscheidung aus dem Bauch
 Wir gehen auswärts essen – und manchmal entstehen die besten Entscheidungen genau dort. Spontan beschliessen wir, Silvester direkt in diesem Restaurant zu verbringen. Es fühlt sich leicht an, stimmig, richtig.

 29. & 30. Dezember – Stille im Büro
 Ich arbeite im Büro bei TERRA EST VITA. Es ist gespenstisch ruhig. Die Jugendlichen haben grösstenteils Ferien, und so liegt eine ungewohnte Stille in den Räumen. Anfangs fremd, fast irritierend. Doch irgendwann gewöhne ich mich daran – und beginne, diese Ruhe sogar ein wenig zu geniessen. Sie hat etwas Klärendes.

 31. Dezember – Abschied vom alten Jahr
 Ich habe frei und starte den Tag mit Ausschlafen. Später helfe ich meinen Eltern in der Küche, kleine Handgriffe, die sich vertraut anfühlen. Am Abend geht es ins Restaurant. Ich liebe gutes italienisches Essen – es ist Genuss und Wärme zugleich.
 Kurz vor Mitternacht stürmen wir in Schaffhausen den Munot. Oben angekommen werden wir von einem Lichtermeer empfangen. Es ist wunderschön. Und kalt. Wir stossen an, dort oben, und heissen das neue Jahr willkommen.

 Ein leiser Übergang
 Ich bin gespannt, was das neue Jahr für mich bereithält. Wie ich mich weiterentwickle. Wohin meine Reise führt.
 In den frühen Morgenstunden falle ich müde ins Bett. Es ist die erste Nacht seit Langem, in der ich unruhig schlafe – vielleicht, weil etwas Neues begonnen hat. 

24.12. - 26.12.2025

Der 24. Dezember begann für mich leise.

 Ich hatte mir frei genommen – ein Geschenk an mich selbst. Der Morgen durfte langsam sein: Ausschlafen, ein gemütliches Frühstück im Kreis meiner Familie, Wärme, Nähe. Ich hielt inne. Genoss. Atmete. Und dachte, dies sei der Moment zum Reflektieren. Noch wusste ich nicht, dass das Leben andere Pläne hatte.
 Spontan entschied ich mich, meine Oma in Zürich abzuholen, damit sie den Weg nach Thayngen nicht alleine gehen musste. Während der Fahrt entstand etwas Unerwartetes: Ein neuer Ordner auf meinem Handy – „Adventskalender 2026“. Viel zu früh. Völlig ungeplant. Und doch genau richtig. Als würde mein Herz längst weiterdenken, auch wenn mein Kopf noch im Jetzt verweilen wollte.
 Zürich erreichte ich viel zu früh – zumindest fühlte es sich so an. Und doch war da Vorfreude. Zeit mit Oma ist immer kostbar. Als sie ankam, setzten wir uns noch auf einen Kaffee. Ein kleiner Moment zwischen Ankommen und Weitergehen. Gespräche, Blicke, dieses stille Verstehen, das nur Generationen verbindet.

 Zurück in Thayngen warteten Mama, Papa und ein Zuhause voller Vorbereitung. Am Abend gab es Fondue Chinois – ein Essen, das nach Gemeinschaft schmeckt. Ich liebe es. Wir spielten Karten, lachten, jassten, teilten Geschichten. Und irgendwo dazwischen verschickte ich einen letzten Adventsspruch – wie ein leiser Gruß an all die Herzen, die mich durch diese Zeit begleitet hatten.

 Der 25. Dezember durfte erneut langsam beginnen. Nach dem Ausschlafen knetete ich einen Zopf, goldbraun und duftend. Ein kleiner Spaziergang folgte, dann wurde die Küche zum Ort der Hingabe: Apfelstrudel. Nicht für mich – ich mag ihn nicht besonders – sondern für Mama, Oma und Papa. Liebe zeigt sich manchmal genau darin, etwas zu tun, das man selbst nicht braucht.

 Am Nachmittag fuhren wir nach Stein am Rhein, in die Märlistadt. Ein Ort, der mich jedes Mal verzaubert. Die Häuser wie gemalte Geschichten, die Gassen voller Magie. Ein Spaziergang durch Märchen und Winterluft. Romantisch. Still. Wunderschön. Nach zwei Stunden Kälte freute ich mich umso mehr auf das Raclette zu Hause – auf Wärme, Käse und Zusammensein. Es waren perfekte Tage. Nicht perfekt, weil alles geplant war, sondern weil alles echt war.
 Der 26. Dezember gehörte mir. Mein Geburtstag.

 Ein Tag für meine Seele. Wir starteten gemütlich mit Frühstück, dann trafen mein Bruder, meine Schwägerin und mein Neffe ein. Es waren die kleinen Momente, die mein Herz berührten: Kinderlachen, Umarmungen, Blicke voller Vertrautheit. So viele Augenblicke, die mir ein Lächeln schenkten. Ich bin unfassbar dankbar für meine Familie.

 Ein Geschenk berührte mich besonders. Von Laura.
 Ein Brief. Worte auf Papier – ehrlich, klar, liebevoll. Diese Zeilen rührten mich zu Tränen. Manchmal braucht man Freunde wie Laura. Menschen, die einem sanft, aber deutlich zeigen, wo man vor einem Jahr stand – und wo man heute ist.
 Es war ein ereignisreiches Jahr.

 Eines, das ich noch nicht reflektiert habe. Noch nicht verarbeitet.
 Und zum ersten Mal fühlt sich genau das richtig an.
 Vielleicht ist das auch ein Geschenk:
 Nicht alles sofort verstehen zu müssen.
 Nicht alles einordnen zu müssen.
 Sondern einfach da zu sein.

 Im Vertrauen, dass alles seinen Moment findet. 

29.11. - 23.12.2025

Alles beginnt in uns

 In dem Moment, in dem wir spüren, dass Geben nicht Verlust bedeutet, sondern Fülle. Dass Liebe wächst, wenn wir sie teilen – und dass die leisen Augenblicke oft die grössten Wunder in sich tragen.

 An diesem Samstag begann für mich die Weihnachtszeit. Nicht mit Hektik, nicht mit Lärm, sondern mit dem Gefühl von Dankbarkeit. Die Adventskalender für Freunde und Familie waren längst vorbereitet – gefüllt mit 24 Erinnerungen, Momenten, die wir gemeinsam durch das Jahr getragen hatten. Kleine Zeitkapseln des Lachens, der Nähe, des Lebens. Dazu ein paar Geschenke, nicht aus Pflicht, sondern aus Freude. Denn andere zu beschenken ist meine Art, Glück zu fühlen.

 Auch die Jugendlichen von TERRA EST VITA durften sich über einen Adventskalender freuen. Warum? Weil mein Herz weit wird, wenn ich geben darf. Weil Schenken mich daran erinnert, wer ich bin.

 Gemeinsam mit meiner Cousine Elina schlenderte ich später über den Weihnachtsmarkt in Bülach. Ein Ort wie aus einem Wintermärchen. Lichter, Düfte, leise Musik. Wir wärmten unsere Hände an Punsch und Glühwein, teilten kleine Köstlichkeiten und nahmen ein paar liebevolle Dekorationen mit nach Hause. Zeit mit Elina ist für mich wie ein tiefes Einatmen. Mit ihr kann ich alles teilen – Gedanken, Sorgen, Träume. Diese Nähe lädt meine Batterien auf und schenkt mir Ruhe.

 Danach führte mich mein Weg nach Langenthal zu meiner Oma. Es war Brezeli-Zeit – diese zarte Tradition, ohne die Weihnachten nicht vollständig wäre. In meiner Familie gibt es dabei klare Meinungen: Ich mag sie hell, fast golden. Ein grosser Teil meiner Familie liebt sie dunkel, kräftig, intensiv. Also backten wir alle Varianten. Für jeden Geschmack. Und natürlich wurde genascht – mit einem Lächeln und warmem Herzen.

 Dann kam sie, die Adventszeit.

 Jeden Morgen verschickte ich meine geschriebenen Gedichte. Worte, die berühren wollten, nicht beeindrucken. Die Tage verflogen, und doch fühlten sie sich voller an als sonst. Bewusster. Ich stand gerne auf, erlebte arbeitsreiche, manchmal hektische Tage – und ging dennoch mit einem Lächeln nach Hause. Die Zeit mit der Familie wurde kostbar, fast heilig.

 Es war eine abenteuerliche Zeit.

 Eine Zeit des Gebens, des Fühlens, des Innehaltens.

 Und plötzlich standen die Feiertage vor der Tür.

 Vielleicht ist das das wahre Geheimnis von Weihnachten:
 Dass wir uns selbst erlauben, offen zu sein.
 Denn alles, wirklich alles, beginnt in uns 

17.11. - 28.11.2025


Die erste Woche war intensiv. Meine To-do-Liste war lang, und dennoch machte ich oftmals bereits um 17 Uhr Feierabend und ging nach Hause. Früher hätte es mich enorm gestresst, wenn ich wichtige Aufgaben nicht erledigt hätte. Jetzt, bei TERRA EST VITA, lerne ich, genau das auszuhalten: innezuhalten, neu zu priorisieren und bewusst durchzuatmen, bevor der Stress überhaupt eine Chance hat, sich festzusetzen.

 Dieses Lernfeld ist für mich gross – und unglaublich wertvoll.

 Ein Arbeitsplatz blieb leer. Der Platz der neuen Kollegin. Und dann kam dieser Dienstag, der 18.11., der mein Leben erneut auf den Kopf stellte. Ich wurde ins Büro gebeten, und sofort kamen mir diese alten Gedanken hoch: Was habe ich falsch gemacht? Warum ich? Mein Herz schlug viel zu schnell.

 Doch die Nachricht war unerwartet. Ein Jobangebot. Die Möglichkeit zu bleiben.
 Ich war sprachlos – und gleichzeitig mitten in einem Loyalitätskonflikt. Ich hatte einen Aushilfevertrag unterschrieben und fühlte mich verpflichtet. Und trotzdem schlug mein Herz klar und deutlich für die Arbeit mit den Jugendlichen.

 Ich brauchte einen Rat – also rief ich meine Mama an. Dieses Gespräch half mir, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Danach telefonierte ich mit dem anderen Arbeitgeber, dieser bat um eine Nacht Bedenkzeit.

 Diese Nacht war fast schlaflos. Zwischen Hoffnung und Bangen. Zwischen dem Glauben an meine Wunschlösung und dem Worse Case Szenario. 

 Doch um 11 Uhr fand sich eine Lösung, die für beide Arbeitgeber stimmte. Nicht perfekt – aber ein Kompromiss, der sich ehrlich und fair anfühlte. Eine Lösung, die auch meinen inneren Konflikt beruhigte.

 Wow. Diese Woche war hochemotional. Eine Woche, die alles durcheinander wirbelte – und mir gleichzeitig zeigte, wie sehr ich in den letzten Jahren gewachsen bin. Eine Woche, in der ich für mich einstand. Eine Woche, in der ich so viel zurückbekam, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.

 Manchmal sind es genau solche Wochen, die uns bewusst machen, wie stark wir geworden sind – und wie klar unser Herz weiss, wohin es will. 

10.11 - 16.11.25


 Nach dem Urlaub - komme ich nach Hause

 Da war er, der Montag. Ein Montag wie jeder andere, und doch fühlte er sich an wie der erste Arbeitstag meines Lebens. Eine leise Aufregung lag in mir, ein Kribbeln, das sich unaufhaltsam durch meinen Körper ausbreitete, ohne dass ich genau wusste, warum. Vielleicht war es Vorfreude. Vielleicht ein inneres Wissen, dass dieser Tag etwas in Bewegung setzen würde.

 Die Lernenden waren bereits da, und auch Lara. Ein warmes Willkommen, ein ehrliches Wie waren die Ferien? empfing mich – und plötzlich war es, als würde ich nach Hause kommen. Die vertrauten Stimmen, die kleinen Gespräche im Vorübergehen, das Zuhören, das Erzählen… all das gehört zu meiner Arbeit, und doch fühlte es sich an diesem Morgen wie ein Geschenk an.

 An diesem Montag lernte ich eine neue Kollegin kennen. Ich bemerkte gleich, wie schnell mir ihr Lächeln, ihre Art, ihre Wärme ins Herz glitten. Damals ahnte ich noch nicht, dass dieser Mensch einmal eine bedeutende Spur in meinem Leben hinterlassen würde – eine, die bleibt.

 Die nächsten Tage waren erfüllt von Arbeit, Lachen, kleinen Momenten und stillen Gedanken. Und zugleich schlich sich die Wahrheit immer öfter in meinen Kopf: Der Abschied von Lara rückte näher. Jeden Tag spürte ich ein wenig deutlicher, wie schwer mir dieser Abschied fallen würde.

 Lara – diese junge Frau, die ich vom ersten Tag an ins Herz geschlossen habe. Sie war da. Immer. Mit Rat. Mit Tat. Mit Mut, den sie mir schenkte, wenn meiner gerade fehlte. Mit Worten, die trafen, und mit Schweigen, das trug.
 Und ich? Ich war in diesen Tagen einfach rundum zufrieden. Glücklich, erfüllt, getragen von Menschen, die mir guttaten. Eine Woche, die beinahe zu perfekt war, um wahr zu sein.

 Und irgendwo, ganz leise, schlich sich ein Gedanke ein: Womit habe ich das verdient? Habe ich das überhaupt verdient? Kann es wirklich so perfekt sein? 

01.11.2025 - 10.11.2025

Endlich Urlaub?

So dachte ich früher. Durchhalten – bis zu den nächsten freien Tagen. Ein Countdown zum Durchatmen, mehr nicht.

 Doch dieses Mal war alles anders. Die Vorfreude war da, aber ruhig, leise, nicht mehr dieses ungeduldige „Ich muss hier weg“. Ab in die Wärme. Sonne. Strand. Meer. Und das Schönste: mit meiner besten Freundin.

 Ein Urlaub, den ich mir verdient hatte. Der erste in diesem Jahr – und wie sehr ich ihn gebraucht habe, merkte ich erst, als ich am Strand lag und einfach… nichts tat. Kein Plan, keine Verpflichtung, kein Gedanke an „Produktivität“. Nur ich, das Rauschen der Wellen und das Gefühl, dass sich meine Batterien still und leise wieder aufladen.

 Erst gegen Ende der Woche schlug ich ein Buch auf. Bis dahin löste ich Kreuzworträtsel, hörte Musik oder sah einfach dem Meer zu. Früher hätte ich mich dafür verurteilt – weil ich nicht an meinen Schreibprojekten arbeitete, nichts „Sinnvolles“ tat. Heute weiss ich, dass genau diese Ruhe, dieses Nichtstun, Sinn hatte. Dass Lachen, Sonne und Leichtigkeit manchmal die tiefste Form von Heilung sind.

 Und dann kam der Montag nach dem Urlaub. Früher ein Tag des Widerstands – dieses Mal ein Tag der Freude. Ich stand um fünf Uhr auf, stieg in den Zug nach Dielsdorf und lächelte. Weil ich wusste, dass mich dort ein wunderbares Team erwartet. Jugendliche, die ich ins Herz geschlossen habe. Eine Arbeit, die erfüllt, bewegt – und leicht macht.

 Manchmal ist das Glück gar kein lauter Moment. Manchmal ist es einfach ein leises Ankommen – bei sich selbst, im Leben, im Jetzt. 


11.10 - 31.10

Alles ist gut – und ich meine es so.

 Ich bin glücklich. Dass ich das einmal so sagen – und vor allem so fühlen – würde, hätte ich in der Schweiz fast nicht für möglich gehalten. In einem Land, in dem so oft nur Leistung zählt. Wo es immer höher, schneller, weiter gehen muss. Wo die Anforderungen wachsen, bis man sich selbst kaum noch spürt. Ich kenne dieses Gefühl der Überforderung nur zu gut – und doch erlebe ich gerade etwas völlig anderes.

 Ich erfahre Wertschätzung. Ich spüre Miteinander. Ich gehe jeden Morgen um fünf Uhr mit einem Lächeln zur Arbeit – und obwohl ich viel arbeite, fühlt es sich zum ersten Mal seit Langem nicht nach Arbeit an. Es ist leicht. Es ist echt.
 Nach der Arbeit sitze ich im Zug, lasse den Tag Revue passieren und bin einfach dankbar. Dankbar für das, was ich tun darf, und stolz auf das, was ich tue. Selbst in der Liebe, wo nicht alles so verlief, wie ich es mir gewünscht hatte, blieb ich bei mir. Ich liess los – in Liebe – und fand dabei nicht Verlust, sondern Frieden.

 Als mich in der Stiftung jemand fragte, ob ich mir vorstellen könnte zu bleiben, war ich zu Tränen gerührt. Diese Frage bedeutete so viel mehr als nur ein Jobangebot. Sie sagte: Du machst etwas richtig. Du bist richtig. Du darfst so sein, wie du bist. Auch wenn es letztlich nicht klappte – die Türe steht für mich offen.
 Und gleichzeitig kam ein neuer Weg: mein Vertrag bei Kontiki. Ich liebe, was ich dort tue. Ich erfahre erneut Wertschätzung – und noch wichtiger: Ich sehe mich selbst. Nicht durch die Augen anderer, sondern von innen heraus. Ein neues Gefühl, tief und ruhig.

 Manchmal kann ich kaum glauben, wie leicht sich das Leben gerade anfühlt. Fast automatisch schaue ich mich um, ob irgendwo der dunkle Schatten lauert. Aber selbst wenn ich weiss, dass auch schwere Tage wiederkommen werden – jetzt, in diesem Moment, lächle ich. Ich fühle. Ich lebe.

 Alles ist gut. Und genau das meine ich auch so. 

24.09 - 10.10

Zwei Wochen – und schon so viel 

Zwei Wochen in der Schweiz – und schon so viel erlebt. Wo fange ich an?
 Am 29. September erhielt ich eine Nachricht, die mich kurz aus der Bahn warf: Mein Plan, im August 2026 die Ausbildung zur Sozialpädagogin zu beginnen, würde sich nicht erfüllen. Zumindest nicht an meiner Wunschschule. Ein kleiner Dämpfer – und doch fand ich schnell wieder Halt.

 Denn nur einen Tag später, am 30. September, durfte ich ins Büro von Kontiki zurückkehren. Schon der Gedanke daran, Niels, Nicole und Silja wiederzusehen, machte mich glücklich. Doch dann stand plötzlich das ganze Kontiki-Team vor mir – all die Menschen, die uns während unserer Zeit als Gästebetreuende so grossartig unterstützt hatten. Ich war nervös, denn es stand noch ein Gespräch mit dem HR an. Es ging um die Gästebetreuerzeit im Sommer 2026 – und vielleicht auch um eine befristete Mitarbeit bei Kontiki.

 Das Gespräch mit Selina war wunderbar. Offen, ehrlich, herzlich. Ich verliess das Büro mit einem Lächeln – und mit diesem Gefühl, dass alles möglich sein könnte. Jetzt heisst es warten. Abwarten, Tee trinken. Vertrauen.

 Am 1. Oktober begann mein Vorpraktikum bei Terra est vita. Und dieser erste Tag? Einfach wow. Ich fühlte mich sofort willkommen, konnte mich einbringen, Verantwortung übernehmen, den Jugendlichen zusehen, sie unterstützen. Es war lebendig, echt, genau das, was ich gesucht hatte.

 Doch dann kam der nächste Rückschlag: keine finanzielle Unterstützung. Ich musste weinen – aus Enttäuschung, aus Erschöpfung. Beim RAV hatte ich das Gefühl, nicht wirklich gehört zu werden. Ich verstehe, dass es Regeln gibt, dass es Richtlinien braucht. Aber ich wünsche mir mehr Verständnis, mehr Flexibilität – für alle, die den Mut haben, sich neu zu orientieren, um den Fachkräftemangel aktiv anzugehen.

 Diese Erfahrung hat in mir etwas bewegt. Sie hat mein Feuer für die Politik neu entfacht. Ich will nicht nur zusehen. Ich will etwas verändern.
 Und doch bleibt da diese Frage, die in mir nachhallt: Bin ich mutig genug? Traue ich mich, so authentisch, wie ich hier schreibe – auch aufzutreten, laut zu werden, für etwas einzustehen?

 Vielleicht ist genau jetzt der Moment gekommen, es herauszufinden. 

22.09.2025

September. 

Abschied. 

Der Tag war gekommen. Mit schwerem Herzen stand ich pünktlich am Flughafen, zwei Koffer neben mir. Ich gab sie auf, und mit ihnen auch ein Stück meiner Seele. Die Traurigkeit griff nach mir, leise, aber unaufhaltsam.
 Dort wartete ich auf Niels, der aus Äkäslompolo anreiste. Gemeinsam gingen wir durch die Sicherheitskontrolle – nicht ohne kleine Stolpersteine. Mein Tablet blieb im Rucksack, und so musste dieser eine zweite Runde drehen. Ein Moment, der mich kurz schmunzeln liess, mitten in all der Schwere.

 Der Flug hatte Verspätung. Ob wir den Anschluss in Helsinki schaffen würden, war ungewiss. Und ehrlich gesagt: Es hätte mir nichts ausgemacht, ihn zu verpassen. In Helsinki blieben uns 25 Minuten, um umzusteigen. Zwischen Terminalgängen und tickenden Minuten schnappten wir uns noch hastig ein Sandwich, bevor der Final Call ertönte. Wir schafften es, gerade noch. Im Flugzeug überkamen mich die Emotionen. Niels tröstete mich. Denn auch wenn ich weiss, dass ich wieder zurückkehren werde – in diesem Moment tat es einfach nur weh.
 Ankunft in Zürich. Der zweite Koffer liess auf sich warten. Als er endlich kam, atmete ich auf. Seite an Seite mit Niels ging ich durch die Zollkontrolle – und dort, auf der anderen Seite, warteten meine Eltern, mein Neffe, mein Bruder. Ihre Umarmungen waren warm, vertraut, schön. Und doch war es, als ob zwei Welten aufeinanderprallten. Draussen drängten Autos, Menschen eilten vorbei, Lichter und Stimmen vermischten sich zu einem Chaos. Ich fühlte mich überwältigt von der Enge, vom Lärm, von zu viel – zu schnell.

 Zu Hause schaffte ich es, nur einen Koffer auszupacken. Mehr lag nicht drin. Am nächsten Morgen folgte der Rest, Stück für Stück. Ich räumte auf, gewöhnte mich langsam wieder ein, traf eine meiner Freundinnen. Es tat gut, bei ihr zu sein. Und doch – mein Herz war noch nicht angekommen. Die Schweiz fühlte sich an wie eine Kulisse, die noch nicht ganz zu mir passte.

 Eine Woche. Eine Woche zum Atmen. Eine Woche, um die Seele ankommen zu lassen. Eine Woche, um das Fremde wieder vertraut werden zu lassen. Und dann – ein neues Kapitel, das sich öffnet.

18.09 - 21.09

Donnerstagmorgen
 Ich erwachte früh, noch bevor der Wecker klingelte. Ein Gefühl von Aufbruch lag in der Luft, aber auch eine Schwere im Herzen. Heute gab es vieles zu erledigen: Die Wäsche fand ihren Weg in die Maschine, die Wohnung wurde geputzt, der Kühlschrank aufgeräumt. Schritt für Schritt arbeitete ich meine Liste ab, und doch fühlte sich jeder Handgriff an wie ein stiller Abschied. Als ich den Koffer packte, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Dieses Jahr war es schwerer als beim letzten Mal – Inari war für mich mehr geworden als ein Ort. Es war mein Place to be. Und mit jedem Kleidungsstück, das im Koffer verschwand, brach ein kleines Stück meines Herzens heraus.

 Nach all diesen To-dos setzte ich mich ins Juutua, bestellte einen Cappuccino und sah durch das Fenster hinaus. Der Fluss glitt ruhig vorbei, fast so, als wolle er mir Trost schenken. Ich verabschiedete mich von allen Partnern in Inari, und jedes einzelne „Auf Wiedersehen“ machte den Abschied greifbarer. Am Abend sass ich nochmals im Juutua Hotel, gönnte mir einen letzten Drink und verschenkte einen Coaching-Termin an eine liebe Kollegin. Ihr zu helfen, gab mir in diesem Moment Halt.

 Freitagmorgen
Die Reise führte mich weiter nach Äkäslompolo. Auf den ersten Kilometern hielt ich immer wieder an – die Strasse vor mir verschwamm durch die Tränen, die einfach fliessen mussten. Doch irgendwann, nach jedem Halt, kam Stück für Stück die Freude zurück. Ich wusste: Am Ziel würden drei wundervolle Menschen und ein Hund auf mich warten – Niels, Sandra, Roger und Rocky. Allein dieser Gedanke machte es leichter, weiterzufahren.

 In Äkäslompolo angekommen, lud ich mein Material aus und verbrachte Zeit mit dem Destination Lapland Team und mit Niels. Später führte mich mein Weg zu Sandra und Roger. Ihr Mökki nahm mich sofort gefangen – ein Ort voller Wärme und Geborgenheit. Ich verliebte mich auf den ersten Blick. Rocky und ich wurden rasch Freunde, und die Gespräche an diesem Freitag und Samstag legten sich wie ein kostbarer Schatz in mein Herz. Ich war einfach ich, und das reichte. Neue Ideen wurden geboren, Pläne für die Zukunft formten sich, und es entstand eine Freundschaft, die tiefer war, als ich es erwartet hätte.

 Der Abschluss
Am Sonntag setzte ich mich ins Auto und fuhr zweieinhalb Stunden nach Rovaniemi. Dort trat ich in eine Welt ein, die sich wie ein Kindheitstraum anfühlte: das Santa Claus Village. Ich stand vor dem echten Weihnachtsmann, und ein Strahlen breitete sich in meinem Gesicht aus, das nicht mehr weichen wollte. Ein Traum wurde wahr – einmal im magischen Weihnachtsdorf zu übernachten, einem Ort, der in jeder meiner Weihnachtsgeschichten eine so zentrale Rolle spielt.

 Mit diesem Tag schloss sich ein Kreis. Tränen, Abschied, Freundschaft und Freude – alles fand seinen Platz auf dieser Reise. Und ich wusste: Ein Stück meines Herzens würde immer in Inari bleiben, doch auch Äkäslompolo und Rovaniemi hatten ein Platz in meinem Herzen gefunden. 

16.09 - 17.09

Sonne im Herzen 

Am Dienstag hiess es Abschied nehmen. Ich verabschiedete die Gäste, die Niels nach Kirkenes brachte – mit Tränen in den Augen. So viele Gesichter, die mir ans Herz gewachsen sind. Auf dem Weg zum Supermarkt traf ich dann Jana und Jakub – meine Lieblings-Tschechen. Zwei Menschen, die mir wichtig geworden sind. Ich weiss: wir werden uns wiedersehen.

 Nach einem kurzen Einkauf gingen wir ins Siida Museum. Staunen, schauen, lachen. Danach führte uns der Juutua-Trail direkt in mein „Wohnzimmer“ – die Juutua Bar. Ein Cappuccino, zwei Espresso, kleine Dinge, die plötzlich gross sind, weil sie geteilt werden.

 Meine Eltern holten noch unser Abschiedsgeschenk aus dem Auto, das wir von Kukkolan Bussit erhalten hatten. Niels kam vom Transfer zurück. Ich spürte ein schlechtes Gewissen, weil er all die Stunden im Bus und Auto sass, nur damit ich diesen einen Tag mit meinen Eltern haben konnte. Gleichzeitig wusste ich: schon bald sehen wir uns in Äkäslompolo wieder.

 Am Abend sassen meine Eltern und ich  im Juutua Restaurant. Es war einer dieser Abende, die mitten ins Herz treffen. Das Team schenkte mir eine Halskette mit dem samischen Zeichen für die Sonne. Selbst meine Mutter war zu Tränen gerührt. Ein kleines Stück Schmuck – und doch ein riesiges Geschenk. Zum Schluss lud uns Salla noch auf den Apéro ein. Einfach so. Gesten voller Wärme, die mir zeigen: ich bin hier nicht nur Gast gewesen, sondern Teil von etwas.
 Am Mittwoch reisten meine Eltern ab. Ich wollte aufräumen, packen, tun. Doch ich konnte nicht. Eine Schwere legte sich über mich, und ich liess sie zu. Denn manchmal gehört sie dazu: die Traurigkeit, die zeigt, wie schön und tief etwas war.
 Und so bleibt neben all den Abschieden auch etwas anderes: Dankbarkeit. Für Begegnungen, die bleiben. Für Geschenke, die mehr sind als Dinge. Für Menschen, die das Herz berühren. Und für die Sonne, die jetzt nicht nur am Himmel, sondern auch in mir scheint. 

13.09 - 15.09

Wenn Abschiede Geschichten schreiben 

Am Samstag war er da – mein letzter Transfer nach Kittilä. Mit 31 Gästen war es der grösste dieser Saison, zweisprachig, lebendig, voll Energie. Und doch war in mir eine stille Wehmut. Zum letzten Mal Gäste verabschieden. Zum letzten Mal neue Gesichter in Empfang nehmen. Es fühlte sich eigenartig an – schön und schwer zugleich.

 Am Sonntag fuhr ich zum letzten Mal von Levi zurück nach Inari. Zwölf liebe Gäste begleiteten mich. Unterwegs hielten wir im Café Harianna – ein letztes Mal Pancakes, die süss waren und doch einen leisen Abschiedsgeschmack hatten. Jeder Kilometer auf dieser Strecke fühlte sich wertvoller an als zuvor.

 In Inari wartete etwas ganz Besonderes: meine Eltern. Sechs Stunden waren sie aus Schweden gefahren. Als ich sie endlich in die Arme schliessen konnte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Die Bootstour mit ihnen war wunderbar, das Abendessen danach leicht und voller Wärme. Dieser Abend hat mir gezeigt: auch in Momenten des Abschieds kann Freude die Führung übernehmen.

 Am Montagmorgen stand ich wie gewohnt am Infodesk. Meine Eltern machten die Wanderung zur Pielpajärvi-Kirche, und gleichzeitig war Niels unterwegs nach Inari. Er hatte mir angeboten, dass ich den Dienstag mit meinen Eltern verbringen durfte – ein Geschenk, für das ich unglaublich dankbar war. Und trotzdem freute ich mich, Niels noch einmal hier zu treffen.

 Am Nachmittag traf ich meine Eltern im Siida-Museum zu Kaffee und Kuchen. Danach zeigte ich ihnen mein Zuhause – die Orte, die für mich zu einem Stück Herz geworden sind. Zum Schluss führte ich sie in die Juutua Bar, mein Wohnzimmer hier oben. Dort tranken wir den besten Rhabarber-Schaumwein ohne Alkohol, den ich je probiert habe. Und dann kam Niels dazu 
 
Und mit ihm das Gefühl, dass alles seinen richtigen Platz gefunden hat.
 Vielleicht sind es genau diese Momente, in denen wir begreifen, dass Abschiede nicht nur ein Ende sind, sondern auch ein Anfang. Sie schreiben Geschichten, die bleiben – leise, warm und voller Leben. 

10.09 -11.09

Zwischen Abschied und Neubeginn 

Am Mittwoch hatte ich wieder frei – und diesmal nutzte ich den Tag ganz für mich. Ich blieb so lange im Bett, wie es mir guttat, und nach dem Ausschlafen gab es ein feines Frühstück. Kein Stress, kein Müssen – einfach geniessen.

 Am Nachmittag ging ich für eine Stunde in die Sauna. Eine Stunde ohne Handy. Eine Stunde nur mit mir. Eine Stunde Wärme und Ruhe. Genau diese Stunde hat meine Batterien wieder voll aufgeladen. So einfach – und trotzdem so kraftvoll.
 Denn hier oben in Finnland spüre ich, wie langsam die letzten Tage anbrechen. Es sind die letzten Fahrten, die letzten Begegnungen, die letzten Male dieser Saison. Und auch wenn ich weiss, es ist kein Abschied für immer, sondern nur auf Zeit – ein Teil von mir bleibt hier. Hier in Inari, im Norden, zwischen Seen, Wäldern und dieser besonderen Stille.

 Am Donnerstag kam eines dieser letzten Male. Zum letzten Mal fuhr ich nach Kirkenes, um Gäste abzuholen. Zum letzten Mal durch die Landschaft, die mich immer wieder verzaubert hat – jetzt im Herbst, wenn die Ruska-Zeit die Natur in Gold und Rot taucht. Zum letzten Mal in meinem Lieblingscafé auf dieser Strecke.
 Diese Fahrt war besonders. Der Chef fuhr selbst, und wir hielten gleich zweimal im Café. Dort verabschiedete ich mich – und doch fühlte es sich mehr wie ein Geschenk an. Wieder bekam ich meinen Kaffee und ein Korvapuusti geschenkt. Eine kleine Geste – und doch so gross, dass meine Augen feucht wurden.

 Zurück in Inari versuchte ich, die Gedanken an das Abschiednehmen etwas wegzuschieben. Aber am Abend kamen die Tränen. Tränen der Dankbarkeit für all das, was ich erleben durfte. Tränen der Traurigkeit, weil Loslassen nie einfach ist. Und Tränen der Schönheit, weil mein Herz hier so reich beschenkt wurde.

 Und vielleicht ist es genau das, was Entwicklung ausmacht: Die kleinen Momente bewusst geniessen. Den Abschied zulassen, ohne die Verbindung zu verlieren. Und spüren, dass jeder Ort, den wir lieben, ein Zuhause in uns hinterlässt. 

02.09 - 09.09

Zwischen Grenzen, Sternen und Wärme

 Am Dienstag traf ich Hans wieder. Diesmal war Cornelia auch dabei, und wir verbrachten einen Abend, den ich nicht so schnell vergessen werde. Ein feines Abendessen, dazu das finnische Nationalgetränk Lonkero, und Gespräche, die weit über das Oberflächliche hinausgingen. Tiefe Themen, ehrliches Zuhören und eine Nähe, die echt war – ein Zusammensein, das in mir nachklingt.

 Der Mittwoch begann gemütlich. Ein freier Tag, an dem ich mir erlaubte, auszuschlafen. Danach zog es mich hinaus: auf die Wanderung zur Pielpajärvi. Über Stock und Stein, durch eine Landschaft, die so schlicht und gleichzeitig so eindrücklich war, dass sie mich immer wieder zum Staunen brachte. Unterwegs lernte ich über die acht Jahreszeiten der Sami – und gleichzeitig lernte ich über mich selbst. Schritt für Schritt spürte ich, wie die frische Luft mir gut tat. Auf dem Rückweg aber merkte ich, dass es vielleicht doch etwas viel war. Ich war erschöpft, und trotzdem stolz: weil ich meine Grenzen erweitert hatte, weil ich über meine Komfortzone hinausgegangen war. Als ich beim Auto ankam, war da dieses Gefühl von Zufriedenheit. Und die Bilder, die ich unterwegs machte, werden mich immer daran erinnern, wozu ich fähig bin.

 Am Abend kam der Nordlicht-Alarm. Ich zog mich rasch an, trat hinaus in die Kälte und schaute zum Himmel. Und da waren sie: die Nordlichter. Magische Lichter, die den Himmel tanzen liessen und mich ganz still machten. Es fühlte sich an wie ein Geschenk – der perfekte Abschluss dieses Tages. Mit diesem Bild im Herzen fiel ich müde und glücklich ins Bett.

 Am Donnerstag kam die Erkältung. Sie schlich sich in meinen Körper, und zum ersten Mal fühlte ich mich wirklich krank. Früher hätte ich das ignoriert, wäre einfach weitergerannt. Doch diesmal hörte ich auf mich. Ich nahm Rücksicht, gönnte mir Pausen und überschritt meine Grenzen nicht. Die Arbeitstage waren zwar anstrengend, manchmal sogar ein kleiner Kampf, aber ich war stolz. Stolz, weil ich gleichzeitig für mich sorgte und den Gästen gegenüber authentisch blieb.
 Am Samstagabend sass ich kurz mit Niels zusammen – ein kleiner Moment der Verbundenheit. Danach ging ich im Hotelzimmer in die Sauna. Früher hätte ich gedacht: „Das ist nichts für den Körper, wenn er geschwächt ist.“ Heute sehe ich das anders. Denn in Finnland gilt eine wichtige Sauna-Regel: Es gibt keine. Man geht so lange hinein, wie es einem guttut. An diesem Abend sagte mein Körper klar: „Ja, ich brauche Wärme.“ Also hörte ich auf ihn. Ich liess mich von der Hitze umarmen, spürte, wie die Muskeln weich wurden und Ruhe in mir einkehrte.
 Da verstand ich: Es lohnt sich mehr, auf den eigenen Körper zu hören als auf all die Meinungen von aussen. Er weiss, was er braucht – Wärme, Ruhe, Schritte über Grenzen oder Momente der Stille.

 Und genau dort liegt die wahre Kraft: dem eigenen Körper und dem eigenen Herzen zu vertrauen. 

28.08 - 30.08

Momente, die das Herz füllen

 Ich gebe zu: Allein hier in Inari zu sein, ist nicht immer einfach. Die langen Busfahrten zehren an meiner Energie, und manchmal fühlt sich die Einsamkeit schwerer an, als ich es erwartet habe. Doch ich achte darauf, mir kleine Auszeiten in meinen Tag einzubauen. Meine Rituale – sei es ein stiller Moment mit einem Kaffee, ein Spaziergang oder einfach ein bewusstes Atmen – helfen mir, in meiner Kraft zu bleiben.

 Am Donnerstag holte ich fünf wunderbare neue Gäste ab, und wir verbrachten gemeinsame, besondere Tage. Jeder Samstag ist für mich ein kleines Highlight: An diesem Tag sehe ich Niels, wir tauschen die an- und abreisenden Gäste, und für einen Moment scheint die Welt stillzustehen. Auf dem Transfer zum Flughafen genossen wir in meinem Lieblingscafé Pancakes und kauften ein paar Souvenirs – kleine Freuden, die den Tag abrunden.

 Doch so sehr ich die Gäste liebe, Abschiede fallen mir oft schwer und doch muss ich loslassen, denn neue Begegnungen stehen schon bereit. Nach dem Apero genoss ich zusammen mit Niels einen kleinen Moment nur für uns – diese winzigen Augenblicke, in denen man einfach nur atmet, füllen meinen Energiespeicher wieder auf.

 Am Sonntag ging es mit den neuen Gästen zurück nach Inari – und an diesem Tag stand mein langersehnter Flug mit dem Wasserflugzeug über den Inari-See bevor. Nervosität mischte sich mit Vorfreude, und als die E-Mail kam, dass der Flug eventuell früher möglich sei, atmete ich auf. Ich würde die 30 Minuten schaffen – mehr nicht. Kurz darauf wurde der Flug auf 17:00 Uhr verschoben, und mein Herz machte einen kleinen Sprung vor Erleichterung.

 Pünktlich um 16:45 Uhr, überpünktlich wie ich nun mal bin, war ich bereit. Um 17:00 Uhr hoben wir ab – pünktlich wie die Finnen sind. Und was ich von oben sah, raubte mir den Atem: Der drittgrösste See Europas, seine 3.300 Inseln, so viele Details, dass ich sie kaum erfassen konnte. Jeder Moment war überwältigend – eindrücklich, faszinierend, aufregend, voller Adrenalin. Ein Moment, den ich nicht nur auf Fotos und Videos festhielt, sondern tief in meinem Herzen bewahren werde.

 Die anschliessende Bootstour am Abend konnte dieses Gefühl nicht ganz toppen – der Flug hatte schon alles perfekt gemacht. Doch ich gab mein Bestes, unseren Gästen ein unvergessliches Erlebnis zu schenken. Am Ende dieses Tages fiel ich erschöpft, aber erfüllt ins Bett. So viele Emotionen, so viele Eindrücke – es dauerte eine Weile, bis mein Geist zur Ruhe fand.

 Es sind diese Momente, die mir zeigen: Auch wenn der Weg anstrengend ist, auch wenn die Einsamkeit manchmal schwer wiegt – es lohnt sich, das Herz zu öffnen, sich auf das Unbekannte einzulassen und jeden Augenblick bewusst zu leben. Denn genau diese Momente füllen uns mit Energie, mit Glück und mit der Gewissheit, dass wir lebendig sind. 

27.08.2025

Ein Mittwoch voller Ruhe, Heilung und Huskys

 Es war Mittwoch – und zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich mir erlaubt, einfach auszuschlafen. Kein Wecker, kein Druck, keine To-do-Liste, die mich aus dem Bett zog. Ich blieb tatsächlich bis 11 Uhr liegen. Eigentlich wollte ich diesen Tag nutzen, um meine Schreibprojekte weiterzubringen. Doch mein Körper hatte andere Pläne. Er wollte Ruhe. Er wollte Erholung. Und genau das habe ich ihm gegeben.

 Manchmal vergessen wir, wie wichtig es ist, dem eigenen Rhythmus zu vertrauen. Nicht immer weiter zu funktionieren, sondern innezuhalten. An diesem Mittwoch habe ich das gespürt.

 Und doch gab es einen Fixpunkt in meinem Kalender, auf den sich nicht nur mein Kopf, sondern auch meine Seele und mein Herz freuten: ein Besuch auf der Happy Huskies Farm.

 Dort angekommen, war es, als würde mein Herz einen tiefen Atemzug nehmen. Ein Husky, mein Lieblingshund, blieb einfach bei mir. Ich schloss für einen Moment die Augen und liess es geschehen. Diese Nähe, diese Stille, dieses Gefühl von Heilung – Tiere haben eine ganz besondere Wirkung auf uns. Und bei mir sind es vor allem Huskys, die mein Herz öffnen.

 Das Schönste kam jedoch zum Schluss: die neun Wochen alten weissen Huskywelpen. Winzige, tapsige Fellbündel voller Lebensfreude. Einer lief direkt in meine Arme – und am liebsten hätte ich ihn nie wieder losgelassen. Dieser Augenblick war pure Magie und brachte  mir neue Energie. 
 Diese Stunde bei Pauliina auf der Farm war mehr als nur ein Besuch. Sie war notwendig. Mein Energiespeicher füllte sich wieder, und auch wenn ich etwas wehmütig Abschied nahm, fuhr ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht zurück nach Inari.

 Natürlich machte ich noch einen Halt im grossen Supermarkt in Ivalo und genoss die riesige Auswahl.

 Es war ein perfekter Tag. War es der produktivste Tag meines Lebens? Nein. Habe ich meine Schreibprojekte vorangetrieben? Ebenfalls nein. Aber es war genau der Tag, den ich gebraucht habe.

 Denn manchmal ist es nicht das Erledigte, das zählt, sondern das Gefühl, wieder bei sich selbst anzukommen. Ruhe, Nähe, Natur, Tiere – all das schenkt uns Kraft. Meine Projekte werden weitergehen, Schritt für Schritt, und auch wenn sie etwas später fertig werden, ist das in Ordnung.

 Dieser Mittwoch hat mich gelehrt: Der perfekte Tag ist nicht der, an dem wir alles schaffen, sondern der, an dem wir alles fühlen. 

24.08. - 26.08.

Unterwegs zwischen Arbeit und Familie 

Am Sonntag begann der Tag mit einem ganz besonderen Geschenk: Frühstück mit meinen Eltern und Hans. Wie immer gab es Karialampirakka und all die feinen Sachen, die das Buffet bereithielt. Gleichzeitig durfte ich auch für unsere Gäste da sein. Manchmal war ich innerlich hin- und hergerissen – zwischen dem Wunsch, jede einzelne Minute mit meinen Eltern auszukosten, und der Verantwortung, meine Arbeit mit Hingabe zu erfüllen. Ein schmaler Grat, den ich aber mit Herz und Ruhe gemeistert habe.

 Mit dem grossen Bus und siebzehn wunderbaren Gästen machte ich mich danach auf den Weg nach Inari. Natürlich hielten wir im Café Harianna, und wie immer war ich erleichtert, als ich in die zufriedenen Gesichter der Gäste blicken konnte. Es ist ein Geschenk, wenn Freude überspringt.

 Bereits am Sonntag durften wir gemeinsam eine Bootstour unternehmen – bei strahlendem Sonnenschein, begleitet von tiefgründigen Gesprächen, die im Herzen nachhallen. Am Montag folgte eine zweite Bootstour. Nach einem Tag voller Regen brach die Sonne für einen kurzen Moment durch die Wolken – fast so, als wollte sie uns zeigen, dass jeder graue Tag sein eigenes Licht in sich trägt. Unterschiedlich waren die beiden Fahrten, und doch jede auf ihre Weise berührend.

 Am Dienstag ging es für mich mit dem grossen Bus weiter nach Kirkenes. Die letzten Tage spürte ich in meinen Knochen, und die Müdigkeit war stärker als sonst. Und trotzdem: Die Fahrt war voller Leichtigkeit, voller Lachen und Freude mit unseren Gästen. Der Abschied fiel mir schwerer als gewohnt – diese Gruppe war mir besonders ans Herz gewachsen. Auf dem Rückweg schlossen sich meine Augen für einen kurzen Moment, als wollte mein Körper Danke sagen für all die intensiven Stunden.

 Zurück in Inari traf ich Hans. Ein ehemaliger Gästebetreuer, ein Mensch, den ich für seine Erfahrung und seine warmherzige Art sehr schätze. Bei gutem Essen und einem tiefen Gespräch verflog die Zeit im Nu. Am Abend legte ich mich früh ins Bett – mit dem wunderbaren Gefühl, am nächsten Tag frei zu haben und ausschlafen zu dürfen.

 Wenn ich zurückschaue, spüre ich: Diese Tage waren erfüllt von Nähe, Freude und Begegnungen, die bleiben. Sie haben mich getragen und mir gezeigt, dass es genau diese Augenblicke sind, die das Leben reich machen. Ja, der Gedanke, dass meine Zeit hier oben bald zu Ende geht, macht mich wehmütig. Und doch weiss ich: Gerade weil sie begrenzt ist, sind diese Momente so kostbar.
 Es bleibt die Zuversicht, dass jeder Abschied auch Platz für Neues schafft – und dass das Herz all das Schöne behält.

21.08. - 23.08.

Reise mit Vorfreude im Gepäck 


Die Herausforderung, die mich anfangs noch verunsichert hatte, erschien mir plötzlich nicht mehr so schwierig. Ich verlor die Angst vor dem Alleinsein. Die Angst, es nicht zu schaffen. Die Angst zu versagen.

 Mit einem freudigen Gefühl stieg ich in den Bus. In Kirkenes warteten 20 Gäste auf mich – und ich lächelte. Ich war froh um den riesigen Bus, genoss die Stille der Hinfahrt. Und noch mehr den Rückweg mit Gästen
 Konnte ich mir alle Namen merken? Nein, nicht sofort. Aber das war okay.
 Die Bootstouren am Donnerstag und Freitag fanden im Regen statt – und es war wunderschön. So unterschiedlich, so besonders.

 Am Samstag ging es nach Kittilä. Auch hier spürte ich Vorfreude, denn meine Eltern würden ankommen. Ja, es bedeutet auch, dass sich meine Zeit hier dem Ende neigt. Doch die Freude überwog.
 Im kleinen, gemütlich warmen Minibus lachte ich mit den Gästen. Ich genoss jeden Moment.

 Am Flughafen dann ein vertrautes Gesicht: Niels. Ich wusste, dass er vor mir da sein würde – und trotzdem war es schön, ihn zu sehen. Eine kurze Umarmung. Ein Lächeln. Und dann ging es weiter: Gäste verabschieden, neue begrüssen. Der Kreis schloss sich.

 Die Türen des Flughafen öffneten sich und da waren sie: Meine Eltern. Sie wieder in die Arme zu schliessen tat mir unfassbar gut. Rührte mich fast zu Tränen und ich genoss diesen Moment, wo die Zeit fast stehen blieb. Danach hiess es, Formulare zu verteilen, mit den Mietwagen Gästen zu reden und dann gemeinsam nach Levi zu fahren. Alles lief reibungslos, genauso wie das Check-In im Break Sokos. Ich liebe dieses Hotel und war das erste Mal sehr nervös beim Apero. Auch diese Herausforderung meisterte ich. Danach setzte ich mich zu meinen Eltern und Hans und genoss entspannt das Gespräch. Es war ein toller Abend, den ich für immer im Herzen tragen werde. 

17.08 - 20.08

Ein neuer Anfang

 Am Sonntag startete ich in meinen ersten Transfer von Levi nach Inari – alleine. Das war für mich ein spezieller Moment. Plötzlich stand ich da, mit zwei Sprachen im Gepäck: Schweizerdeutsch und Französisch. Dazu noch ein paar Worte Englisch mit dem Busfahrer. Anfangs spürte ich eine gewisse Anspannung, doch bald merkte ich, wie gut es lief. Es machte mir Freude, diese Aufgabe zu meistern. Und natürlich gab es unterwegs einen Halt in meinem Lieblingscafé – ohne Pancake geht es einfach nicht.

 Das Einchecken lief reibungslos, und gleich danach hiess es Kühlschrank auffüllen, den nächsten Transfer vorbereiten und schon wartete die erste Bootstour. Der Abend war wunderschön. Die Sonne brach durch die Wolken, das Licht berührte uns alle. Es fühlte sich an wie eine Bootstour für die Seele – ein Moment, in dem man einfach nur da ist und tief durchatmet.
 Am Montag traf ich Gäste am Infodesk. Besonders die französischsprachigen Gäste nahm ich mit ins Siida Museum. Ich spürte, wie schnell die Zeit verfliegt, wenn man mit Menschen unterwegs ist, ihnen zuhört und gemeinsam erlebt.
 Dienstag führte mich der Weg nach Kirkenes – zusammen mit Roope, meinem Lieblingsbusfahrer. Ich genoss die Strecke, die unendliche Natur, das viele Wasser und die Wälder. Bei Sevetijärvi stockte mir kurz das Herz, als es so aussah, als wäre das Kaffee geschlossen, trotz dem Anruf am Morgen. Für einen Moment war ich verunsichert. Doch am Schluss klappte alles, und die Gäste und ich konnte die Aussicht, den Kaffee und den Korvapuusti geniessen – Dinge, die mir inzwischen richtig wichtig geworden sind.

 In Kirkenes wartete der Wind, und ich begleitete unsere Gäste aufs Schiff. Als sich die Türen schlossen, hatte ich für einen Augenblick Angst, ich müsste mitfahren. Dieses Gefühl, eingesperrt zu sein, war intensiv. Umso grösser die Erleichterung, als ich wieder festen Boden unter den Füssen hatte.
 Mittwoch brachte etwas Ruhe. Ausschlafen, einkaufen in Ivalo, Coaching und neue Texte für meine Webseite. Dafür suchte ich mir meinen vertrauten Platz in der Juutua Bar aus – fast wie ein zweites Wohnzimmer für mich.
 Hier in Inari alleine die Stellung zu halten, ist eine Umstellung. Die Wohnung ist stiller geworden. Es gibt weniger Stimmen, weniger Lachen. Whatsapp-Nachrichten und Telefonate helfen, die Leere etwas zu füllen, doch ich spüre den Unterschied stark. Gleichzeitig wächst in mir das Vertrauen, dass ich das schaffe. Es ist anders, ja – aber vielleicht ist genau dieses Anderssein eine Chance. Eine Möglichkeit, Neues zu entdecken, in mir selbst und um mich herum. 

13.08 - 17.08

Emotionale Tage liegen hinter mir – voll von Dankbarkeit, Nähe und auch einem leisen Schmerz. Der Start in ein neues Abenteuer steht bevor, doch die letzten Stunden mit Niels sind so schnell verflogen, dass ich sie kaum fassen konnte.

Am Mittwoch sassen wir noch in unserem Lieblingshotel. Das Essen im Juutua war ein Traum: Rentiercarpaccio, feiner Lachs und zum Dessert die süssen Moltebeeren als Parfait. Dazu die fruchtigen Mehu-Säfte – es war einfach perfekt. Ein Abend, wie er schöner nicht hätte sein können. Ein würdiger Abschluss für uns beide.

Zwischendurch hat Niels noch einige meiner Termine mit Gästen übernommen, um mich etwas zu entlasten. Dafür war ich sehr dankbar. Es waren viele kleine letzte Male, die wir zusammen erlebt haben. Inari wird für mich immer eng mit Niels verbunden bleiben – und dieser Abschied fällt mir nicht leicht. Ich merke, wie sehr ich mich an Menschen und gemeinsame Gewohnheiten binde. Wir haben zusammen gewohnt, uns jeden Tag gesehen – und ab jetzt wird es anders sein.

Am Samstag wollte ich mir noch einen Wunsch erfüllen: einmal mit dem Wasserflugzeug abheben. Doch das Wetter hat nicht mitgespielt, der Flug wurde abgesagt. Ein wenig Wehmut bleibt, aber ich gebe diesen Traum nicht auf – ich habe ja noch ein paar Wochen Zeit, ihn wahr werden zu lassen.

Jetzt sitze ich in Levi, im Hotel Break Sokos. Es ist früh am Morgen, und ich schreibe diese Zeilen, bevor ich zum letzten Mal mit Niels frühstücken werde. Danach trennen sich unsere Wege: er geht nach Äkäslompolo, ich zurück nach Inari. Ab jetzt werde ich die Transfers und Bootstouren alleine machen. Eine neue Situation, eine neue Herausforderung.

Mit einem Lächeln – und einem Herzen voller Erinnerungen – starte ich in meinen ersten Transfer von Levi nach Inari. Nur ich und die Gäste. Ein Neubeginn.

05.08 - 12.08

Getragen durch die Zeit
 Die letzte Woche mit Niels hat begonnen.
 Anders, als ich es mir vorgestellt habe – und trotzdem läuft die Zeit unaufhaltsam weiter.
 In den vergangenen Tagen habe ich viel nachgedacht. Gedanken, die in mir leise Wellen schlugen und doch tiefe Spuren hinterließen.
 Das Leben ist endlich.
 Wir haben nicht alle Zeit der Welt zur Verfügung, auch wenn wir oft so leben, als hätten wir noch hundert Jahre vor uns.
 Ich merke, dass ich nicht jeden Tag und nicht alles, was mir geschieht, bewusst wertschätze. Genau das hat mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt.
 Eine Erkenntnis hat sich dabei klar gezeigt:
 In schwierigen Situationen finde ich Lösungen. Aber das gelingt mir nur, weil ich getragen werde – von meinem Umfeld.
 Meine Eltern. Meine Freunde.
 Sie sind meine wichtigsten Pfeiler, mein Sicherheitsnetz.
 Egal, wo ich bin, wie weit wir voneinander entfernt sind oder wie lange wir uns nicht gehört haben – wenn ich sie brauche, sind sie da. Alle.
 In diesen Tagen war es von unschätzbarem Wert zu wissen, dass sie da sind.
 Ich liebe jeden einzelnen dieser Menschen.
 Sie tragen meine Ideen mit.
 Sie unterstützen meine Wünsche und Träume.
 Sie glauben an mich, wenn ich es selbst nicht tue.
 Sie machen mir Mut, wenn mir der Mut fehlt.
 Sie schenken mir ein Lächeln, wenn ich weine.
 Sie halten meine Wut aus, wenn sie heraus muss.
 Und sie nehmen mich so, wie ich bin.
 In dieser Woche habe ich mir einen Vorwurf gemacht: egoistisch zu sein.
 Es gab eine Situation, in der ich zwei Schicksale miteinander verglich – zwei völlig verschiedene Menschen, zwei völlig verschiedene Lebenswege.
 Und ich entschied für mich: Ich bin egoistisch, weil ich glaubte, nicht empathisch genug gewesen zu sein.
 Mit Laura habe ich darüber gesprochen. Sie zeigte mir, dass ich gerade Äpfel mit Birnen vergleiche. Dass ich zu hart zu mir bin.
 Heute weiß ich, dass ich mein Bestes gegeben habe.
 Und dennoch darf dieses Thema in mir bleiben, bis ich bereit bin, es zu lösen.
 „Bei Gelegenheit“ – das heisst für mich, Prioritäten zu setzen.
 Und gerade ist es wichtiger, das Thema einfach anzunehmen und zu wissen: Es ist da.
 Morgen habe ich einen freien Tag.
 Früher hätte ich mich sofort in die Aufarbeitung gestürzt.
 Diesmal nicht.
 Diesmal tauche ich ab in meine Schreibwelten.
 In meine Geschichten. 

03.08 - 04.08 

Wenn der Himmel weint – und ich lerne, mich selbst zu halten 

Gestern war einer dieser Tage, die einen forderten – nicht unbedingt, weil etwas Schlimmes passiert, sondern weil vieles gleichzeitig geschieht, innerlich wie äusserlich. Es war das erste Mal in dieser Saison, dass wir mit dem grossen Bus unterwegs waren. Und mit „gross“ meine ich riesig. Eine neue Gruppengrösse, ein anderes Fahrgefühl, ein ganz anderes Tempo – eine Umstellung in vielerlei Hinsicht.
 Ich spürte schnell: Der Transfer verlief nicht so rund, wie wir es uns gewünscht oder geplant hatten. Das Wetter in Finnland zeigte sich von seiner launischen Seite – Sonne, Wind, Regen, alles im Wechsel – was zusätzliche Koordination erforderte, auch für die Bootstour am Abend. Es gab unterwegs noch vieles zu klären, anzupassen, neu zu entscheiden.
 Früher hätte ich mich innerlich bereits verurteilt. Hätte mich gefragt, ob ich genug getan, genug vorbereitet, genug reagiert habe. Ich hätte den Anspruch gehabt, alles perfekt zu meistern – auch wenn das Umfeld chaotisch ist. Doch gestern war das anders.
 Ich bemerkte, dass ich zwar reflektierte, sehr wohl überlegte, was ich das nächste Mal besser machen kann – aber ich verurteilte mich nicht. Kein innerlicher Tadel. Keine Selbstabwertung. Stattdessen kam eine unerwartete Milde. Eine liebevolle Stimme in mir, die sagte: Du hast dein Bestes gegeben. Und das reicht.
 Als wir abends mit der Bootstour starteten, regnete es. Es war kein dramatischer Sturm, nur sanfter Regen – doch er passte zu meinem inneren Zustand. Es war, als ob der Himmel Tränen für mich vergiessen würde. Tränen, die ich selbst noch nicht ganz greifen konnte.
 Ich wusste nicht genau, was mich bewegte, aber da war etwas in mir, das lange schon nach Raum verlangte. Zuhause angekommen, kochte ich mir einen Tee – ein kleines Ritual, das mir Halt gibt. Und dann kamen sie. Ganz still, fast schüchtern, aber unaufhaltsam. Die Emotionen, die den ganzen Tag schon leise anklopften. Ich weinte. Nicht dramatisch. Einfach nur still.
 Vielleicht waren es Tränen der Reinigung. Vielleicht auch Tränen des Loslassens. Vielleicht war es Heilung, die sich in diesem Moment durch meine Augen ihren Weg bahnte. Doch in dem Augenblick fühlte sich das alles nicht leicht oder befreiend an. Es fühlte sich einfach nur leer an. Und schwer.
 Trotzdem entschied ich mich – und das war ein kraftvoller Moment – mir etwas Gutes zu tun. Ganz spontan buchte ich für meinen freien Tag eine Massage. Tränen liefen noch über mein Gesicht, während ich klickte. In der Schweiz hätte ich nie eine Stunde Fahrt für eine Massage auf mich genommen. Es wäre mir zu viel Aufwand gewesen. Zu viel „nur für mich“. Aber hier in Finnland? Ich priorisiere mich und deshalb fuhr ich an meinem freien Tag mit einem Lächeln los.
 Jetzt sitze ich hier – auf dem Kaunispää. Der Himmel ist heute klar, das Licht weich, die Weite unbeschreiblich. Ich atme tief ein. Ich lasse los, was gehen darf. Ich halte fest, was mir wichtig ist. Ich erinnere mich an die letzten Tage – nicht mit Scham oder Härte, sondern mit einer zarten Dankbarkeit.
 In wenigen Minuten beginnt meine Massage. Sechzig Minuten Auszeit. Für meinen Körper. Für meine Seele. Für mich.
 Und während ich warte, spüre ich etwas Neues: Ich muss nicht alles im Griff haben, damit es gut ist. Ich darf Fehler machen, ohne mich selbst zu verlieren. Ich darf weich sein – und stark. Gleichzeitig. 


31.07 - 02.08.2025


 Schlaflos in Levi – Gedanken über Empathie, Grenzen und Echtheit

 Es ist wieder Samstag. Und wieder bin ich schlaflos – hier oben in Levi.
 Ich weiss nicht genau, warum. Die letzten Tage waren eigentlich schön. Ich habe sie genossen. Ganz besonders das Backen für unsere Gäste – das ist etwas, das ich mit Herz tue. Unser Nationalfeiertag, der 1. August, ist mir wichtig, auch wenn ich ihn fern der Heimat verbringe. Ich habe kleine Flaggen gebastelt, Weggli gebacken, die Gäste überrascht und dabei war mein Herz gefüllt mit Liebe. Ich habe gestrahlt. 
 Solche Momente liebe ich. Überraschungen zu planen, Freude zu schenken – das macht mir selbst Freude. Und trotzdem fällt es mir oft schwer, solche schönen Dinge für mich zu behalten. Ich platze beinahe vor Vorfreude, wenn ich jemandem eine Freude machen darf. Und doch habe ich dieses Mal geschwiegen und ungeduldig auf den 1. August gewartet. 
 Natürlich haben wir auch für unsere Partner im Juutua ein paar 1.August-Weggli gebacken. Das Teilen gehört für mich dazu. Es ist ein Geben, das aus Überzeugung kommt.
 Zwischen Freude und Verantwortung
 Der 1. August hatte aber auch eine andere Seite. Es gab einige Telefonate – wichtig, richtig, aber auch fordernd. Sie haben in mir etwas ausgelöst. Zum ersten Mal habe ich meine Stärke, empathisch zu sein, hinterfragt.
 Bin ich vielleicht zu offen? Zu nah dran? Grenze ich mich genug ab? Sollte mir das alles weniger zu Herzen nehmen?
 Fragen, die mich nicht loslassen, als ich am frühen Sonntagmorgen in Levi in die Dämmerung blicke.
 Wer bin ich – und will ich anders sein?
 Die Antwort kam leise, aber klar: Nein.
 Denn genau das macht mich aus. Ich bin empathisch. Ich fühle mit. Ich frage nach. Es ist mir nicht egal, wie es den Menschen um mich herum geht. Es ist mir wichtig, Nähe zu zeigen – nicht oberflächlich, sondern echt. Ich kann meine Aufgabe nur mit vollem Herzen erfüllen, wenn ich mich selbst bleibe.
 Ja, das macht mich verletzlich. Ja, es raubt mir manchmal den Schlaf. Aber es macht mich auch lebendig.
 Was würde ich mir selbst wünschen, wenn ich etwas Herausforderndes erlebe?
 Jemanden, der da ist. Der mich sieht. Der mir das Gefühl gibt: Ich bin mehr als eine Nummer. Ich bin ein Mensch.
 Genau das möchte ich für andere sein. Meistens gelingt mir das. Perfekt? auf gar keinen Fall, dafür authentisch, ehrlich und echt.
 Diese Zeilen entstehen während ich schaue wie draussen die Sonne wieder aufgeht. Auch wenn es früh am morgen ist, kann ich doch jetzt mit einem Lächeln und ein paar Antworten einschlafen. In mir wächst die Überzeugung: ich bin genug. Ich bin die richtige Person, zur richtigen Zeit am richtigen Ort. 

29.07 - 30.07

Ein Moment im Juutua – Schoggi, Regen und ehrliche Gedanken
 Manchmal braucht es nur eine heisse Schokolade in meiner Lieblingsbar, um mich wieder mit mir selbst zu verbinden.
 Ein Moment des Genusses. Ein Moment des Innehaltens. Ein Moment des Reflektierens. Ein Moment nur für mich.
 Gestern war ich wieder unterwegs – Transfer nach Kirkenes. Ich liebe diese Fahrten. Es sind nicht einfach Strecken, die wir zurücklegen – es sind Begegnungen. Gespräche. Kleine, geteilte Augenblicke.
 Ich liebe es, über Finnland zu erzählen – über dieses Land, das so viel mehr ist als nur Wald und Seen. Ich liebe es auch, den Gästen zuzuhören. Manchmal nehmen sie mich ein Stück mit – in ihr Leben, in ihre Geschichten. Diese Momente sind kostbar. Sie berühren mich.
 Zuhören macht einen Unterschied. Authentisch sein auch. Ich liebe, was ich tue – und ich tue es mit meinem ganzen Herzen.
 Manchmal bekomme ich Komplimente, die tief gehen. Neulich sagte jemand zu mir:
 „Du weisst hoffentlich, was für ein wundervoller Mensch du bist.“
 Solche Worte anzunehmen fällt mir schwer. Nicht, weil ich sie nicht hören will – sondern weil sie etwas in mir berühren, das (noch) nicht ganz glauben kann, dass sie wahr sind.
 Ich habe in meinem Leben einiges erlebt. Ich weiss, dass ich immer wieder aufgestanden bin – auch wenn ich nicht wusste, woher die Kraft kam. Ich kenne meine Tränen. Ich kenne meine Schritte. Ich bin stolz auf meinen Weg. Und ja – ich bin stolz auf mich.
 Ich kann mich loben – ehrlich und mit Überzeugung. Und genauso schnell finde ich Kritik für alles, was (noch) nicht so läuft, wie ich es mir wünsche. Für das, was ich an mir noch lernen darf, anzunehmen.
 Vor ein paar Wochen habe ich einen intensiven Prozess durchlaufen. Ich habe viel losgelassen – Themen, die mich tief beschäftigt haben. Die Mauer zwischen meinem Innern und den Menschen im Aussen? Sie steht nicht mehr.
 Ich bin ich. Mit all meinen Ecken und Kanten.
 Vielleicht darf ich jetzt die Angst an die Hand nehmen, und diese wundervollen Worte lernen anzunehmen. Es ist die Sichtweise dieser Menschen auf mich. Auf das, was ich tue. Vielleicht darf ich anfangen, mich nicht nur durch meine Augen zu sehen, sondern auch durch ihre Augen. 

24.07 - 28.07

Zwischen den Minuten

 Wieder sind ein paar Tage hier oben vergangen. Die Zeit fühlt sich manchmal seltsam an – an gewissen Tagen denke ich, wir seien schon ewig hier, viel länger als nur diese acht Wochen. Und dann gibt es Momente, da spüre ich: Wir sind eigentlich gerade erst angekommen.

 Diese Gedanken kommen wohl auch, weil Niels in drei Wochen nach Äkäslompolo wechselt. Das wird eine Umstellung – für ihn, aber auch für mich. Die Zeit mit Niels hier oben war für mich ein Geschenk. Mehr als das. Eine dieser Freundschaften, die nicht einfach nur entstehen, sondern wachsen. Still, ehrlich, tief. Diese Verbindung ist für mich ein fester Teil meines Lebens geworden. Unsere Gespräche – offen, ohne Masken. Unser Umgang – stets respektvoll, wertschätzend.

 Klar, werden wir unsere kurzfristige Trennung gebührend feiern. Aber das hat noch Zeit. Denn es bleiben noch 19 Tage – und das sind 456 Stunden voller Möglichkeiten. Für weitere Erinnerungen, fürs Zusammensein, fürs Lachen.
 In den letzten Tagen gab es einige Herausforderungen. Grosse. Aber wir haben sie gut gemeistert. Ich weiss um meine Stärke, gerade wenn es anspruchsvoll wird. Ich sehe die Dinge dann oft klar, handle überlegt, ruhig, vorausschauend. Am Abend reflektiere ich, was gut war – und was ich beim nächsten Mal anders machen würde.

 Wenn mir jemand ein Kompliment dafür macht, fällt es mir schwer, das anzunehmen. Ich frage mich oft, weshalb das so ist. Und vielleicht muss ich die Antwort heute noch nicht heute kennen. Vielleicht reicht es, dass ich daran bin, es herauszufinden.

 Heute habe ich frei. Ich mache das, was mir am meisten Freude bereitet. Ich sitze in der Juutua Bar, trinke eine heisse Schokolade mit Marshmallow, schreibe an meinem Blog – und nachher widme ich mich wieder meinem Roman. Schreiben hilft mir, zu verstehen. Es bringt Ordnung in mein Denken. Es ist mein Werkzeug, um weiterzugehen.

 Ursprünglich wollte ich hier in Inari einen Kriminalroman schreiben. Und ja, der entsteht. Doch im Moment zieht mich etwas anderes. Eine neue Geschichte, eine andere Inspiration. Mein Ziel hat sich angepasst – nicht aufgegeben, einfach verschoben. Der Krimi wartet. Aber er bleibt.

 Früher dachte ich, ich könnte nur schreiben, wenn alles perfekt ist – die Umgebung, die Stimmung, die Zeit. Heute weiss ich: Schreiben geht immer. Wenn es von Herzen kommt. Ich liebe Weihnachtsgeschichten. Ich liebe diese Blogtexte. Ich liebe meinen Roman. Und sogar mein erster Politthriller beginnt langsam zu atmen.

 Ich tue hier, was ich liebe. An einem Ort, der mir viel bedeutet. Inari ist mehr als ein Aufenthalt. Es ist für mich zu einer Art zweiter Heimat geworden.

16.07. - 23.07.

Zwischen Regen und Regenbogen – Gedanken aus Inari
 Die letzten Tage waren intensiv. Nicht im Aussen, sondern in mir drin. Ich habe viel nachgedacht, viel gespürt – und gemerkt, wie stark ich manchmal an Dingen festhalte. An Vorstellungen, an Kontrolle, an dem Wunsch, dass alles so läuft, wie ich es mir vorstelle.
 Es gab eine Situation, auf die ich hier nicht näher eingehen werde, die mir aber gezeigt hat, wie schnell sich das Leben verändern kann. Wie zerbrechlich gewisse Momente sind – und gleichzeitig, wie viel Kraft in uns steckt. Ich war zuerst gefangen in der Situation, konnte sie erst später für mich einordnen. Und dann war es für mich erledigt. Aber wie so oft kam gleich das nächste Thema hinterher.
 Hier in Inari hat es in den letzten Tagen ein paar Mal heftig gewittert. Die geplante Bootstour fiel wortwörtlich ins Wasser. Wir wurden richtig nass – äusserlich wie innerlich. Ich war genervt, enttäuscht. Wir haben die Tour auf den nächsten Tag verschoben, weil das Wetter angeblich besser werden sollte – so sagte es der Kapitän zumindest. Doch lange kam keine Rückmeldung. Ich, eher ungeduldig, griff zum Telefon. Die Antwort: «Es sieht gut aus. Aber eben – wir sprechen über die Natur. Es kann sich jederzeit ändern.»
 Ich entschied mich, zu vertrauen. Die Tour sollte stattfinden – trotz Unsicherheit. Ich informierte die Gäste und sagte das geplante Coaching ab. Das fiel mir nicht leicht. Aber irgendetwas in mir sagte: „Das ist jetzt dran.“
 Und rückblickend – es war genau richtig so.
 Diese Bootstour wurde zur schönsten der bisherigen Saison.
 Wir fuhren los, während es noch regnete. Der Himmel zeigte ein Schauspiel, das sich tief in mein Herz eingebrannt hat. Und dann war da dieser Regenbogen, über einen grossen Teil des Sees gespannt. So klar, so magisch. In diesem Moment war alles gut. Einfach gut.
 Seither habe ich viel nachgedacht. Ich lerne gerade viel über Finnland, die finnische Sprache aber auch über die Kultur. Und ich habe etwas verstanden. Wirklich verstanden: Wir haben keine Kontrolle.
 Die Finnen leben mit der Natur. Wenn das Wetter nicht mitspielt, dann ist es einfach so. Es wird nicht lange diskutiert. Es wird akzeptiert. Keine grossen Dramen. Keine unnötige Hektik. Nur Ruhe und ein tiefes Vertrauen ins Leben.
 Das hat mich berührt. Denn ich habe in den letzten Tagen gemerkt, wie oft ich selbst in kleinen Dramen verstrickt war. Ich habe mich gefragt: Was würde sich ändern, wenn ich es etwas finnischer angehen würde? Mit mehr Gelassenheit. Mehr Vertrauen. Weniger Widerstand.
 Ich werde es ausprobieren. Nicht, weil ich jemand anderes sein will – sondern weil ich herausfinden möchte, ob genau das vielleicht ein Teil von mir ist, den ich bisher einfach noch nicht gelebt habe.
 Und etwas habe ich hier oben ganz sicher gelernt: Die Stille zwischen zwei Menschen ist nichts, was gefüllt werden muss. Sie darf einfach sein. Es sind die schönsten Momente zwischen Menschen. Stille im Einklang mit der Natur und dem Menschen neben dir. Genau das geniesse ich gerade – die Stille. Die Natur. Das Sein. 

14.07 / 15.07


Ein Herz voller Norden
 Die letzten zwei Tage? Unvergesslich. Sie waren nicht einfach nur schön – sie waren magisch.
 Am Montag hatte ich frei. Endlich. Das Diensthandy blieb aus, der Kopf war frei, und Inari zeigte sich von seiner schönsten Seite. Die Sonne strahlte, 27 Grad warm – der Inarisee glitzerte einladend in der Hitze. Und obwohl ich wusste, wie kalt es letzte Woche noch war, konnte ich nicht widerstehen. Ich zog das Badekleid an, atmete tief durch und machte den ersten mutigen Schritt ins Wasser.
 Schock. Eiskalt. Bis zum Bauchnabel – und die Beine kribbelten vor Kälte. Der nächste Schritt brauchte Überwindung. Doch die Sonne brannte, der Moment war da – und ich tauchte komplett ein. Kalt, ja. Aber lebendig. Und als ich wieder auftauchte, spürte ich: Ich lebe. Dieses Gefühl – unbeschreiblich. Ich wiederholte das Ganze nochmals.
 Ein kleines Mädchen gesellte sich zu mir ins Wasser, wir lachten, plantschten. Ein schwedisches Pärchen auf dem Weg zum Nordkap kühlte sich ebenfalls ab – und plötzlich war da dieses Gefühl von Verbundenheit. Später gönnte ich mir ein Glacé beim Supermarkt, kaufte Zutaten für ein Lauch-Kartoffelgratin und liess den Tag kulinarisch ausklingen. Auch das Kochen macht hier Freude. Irgendwie ist alles einfacher, leichter und unbeschwerter.
 Am Dienstag dann der Höhepunkt: ein kleiner Traum wurde wahr.
 Früh standen wir auf – Niels hatte eine verrückte Idee. Ich wollte immer schon auf das Hurtigrutenschiff. Nicht nur beim Einchecken helfen. Ich wollte mitfahren. Und genau das taten wir. Wir fuhren los. Genauer gesagt, durfte ich die erste Strecke fahren und ich liebe es hier im hohen Norden durch die Natur zu  fahren – was für ein Geschenk. Es war magisch. Schon bald entdeckten wir unterwegs einen Elch – majestätisch und ruhig. Bei Näätämo hielten wir kurz, tankten, und dann: Norwegen.
 In Kirkenes angekommen, noch schnell neue Schuhe gekauft – die alten hätten es eh nicht mehr geschafft bis Mitte September. Dann war es so weit: Ich checkte zum ersten Mal selbst auf einem Hurtigrutenschiff ein. Mein Herz klopfte. Niels brachte unser Auto Musti an Bord, ich fand unsere Kabine – und ja, da war sie, die Träne. Diese eine Glücksträne, die zeigte wie glücklich ich in diesem Augenblick war. Wie überwältigt sich das alles anfühlte.
 Das Schiff legte ab. Punkt 12:30. Wir standen an Deck, schauten zu und winkten. Ich sog alles in mich auf – das Licht, die Luft, die Bewegung des Schiffs. Kein Wal, aber dafür ein innerer Frieden, wie ich ihn selten spürte.
 Drinnen machten wir es uns an den Panoramafenstern gemütlich und lauschten einer spannenden Erklärung über King Crabs. Ich kaufte ein kleines Souvenir – etwas, das mich für immer an diesen Moment erinnern wird. Kaffee, Kuchen, Lachen. Und dann: Vardø
 Schon bei der Einfahrt spürten wir – hier ist etwas Besonderes. Kurzentschlossen blieben wir eine Stunde. Lösten eine kleine Herausforderung für einen Gast, liefen zur Festung, sahen das Hexendenkmal. Eindrücklich. Traurig. Stärkend.
 Danach zurück. Niels übernahm den Fahrdienst – ein Geschenk, denn ich war erfüllt und müde. Wir fuhren durch einen Unterwassertunnel – nicht meine Welt, aber ich habe es geschafft. Schafe statt Rentiere auf der Strasse. Und diese Fjorde... wie aus einer anderen Welt.
 Ein kurzer Stopp in Vadsø – nichts Grosses, aber trotzdem schön. Dann weiter zum nördlichsten Punkt Finnlands. Ein Stein. Ein Bild. Ein Moment für immer.
 In Utsjoki entdeckten wir die nördlichste Bäckerei. Ich weiss jetzt schon: Das wird mein nächster Ausflug.
 Und dann, früh am Morgen: zurück in Inari. Müde Augen. Aber mein Herz? Mein Herz ist voll. Voller Erinnerungen. Voller Dankbarkeit. Voller Norden. 

13.07.2025 

Schlaflos in Levi – und das ist in Ordnung
 Ich sitze hier und schreibe diese Zeilen. Draussen ist es immer noch hell – und das um ein Uhr in der Früh. Schlaflos in Levi? Ja, definitiv.
 Warum?
 Es war ein schöner, intensiver Tag. Einer dieser Tage, an denen viel passiert – äusserlich wie innerlich. Die Reise hierher, das Ankommen, das Innehalten. Und dann die Nachricht heute Mittag: Ein Treffen mit Hilu. Ein Kaffee. Ein Gespräch über eine mögliche Zusammenarbeit. So einfach – und gleichzeitig so bedeutungsvoll.
 Bin ich nervös? Ja. Habe ich Angst? Ja, ganz klar. Und dabei geht es nur um ein Gespräch.
 Aber es ist eben nicht nur das. Es geht um mich. Um meine Pläne, meine Sehnsüchte – und auch um meine Zweifel. Es geht um den Mut, den ich manchmal aufbringe und manchmal lieber auf später verschiebe. Ich frage mich: Halte ich mich selbst zurück? Weiche ich gewissen Zielen aus, weil sie mir zu wichtig sind, um zu scheitern?
 Diese Was-wäre-wenn-Gedanken – ich weiss, sie bringen mich nicht weiter. Und doch sind sie da. Und ja, sie sind menschlich. Heute Nacht bin ich besonders achtsam mit mir.
 Weil ich es verdient habe. Weil ich gerade viel spüre. Weil ich ehrlich mit mir bin. Weil ich mir selbst nah bin.
 Ich freue mich auf die Zeit mit Hilu. Wir haben uns seit vier Wochen nicht gesehen. Sie ist ein Mensch, der mir viel bedeutet. Vielleicht schreibe ich deshalb gerade. Vielleicht ist es mein Weg, diesen Moment zu würdigen. Vielleicht auch, um mich daran zu erinnern, dass ich auf einem guten Weg bin.
 Ich habe mich nicht vorbereitet auf das Gespräch. Nicht, weil es mir egal wäre – sondern weil ich Vertrauen habe. In mich. In meinen Weg. In das, was sich zeigen will. Weil ich bereit bin, mutig zu sein – auf meine Weise.
 All das gehört zum Leben. All das macht das Leben lebenswert. Und genau jetzt – in dieser hellen, stillen Nacht – bin ich dankbar dafür.


13.07.2025 Teil 2

Ein Gespräch ohne Papier – und voller Herz
 Ohne Lebenslauf. Ohne Bewerbung. Ohne Stellenausschreibung.
 Und doch fand heute dieses Gespräch statt – ein echtes, aufrichtiges, menschliches Gespräch. Über eine mögliche Arbeit. Über ein miteinander. Über ein dazugehören.
 Ich war überrascht, wie viel Wertschätzung mir entgegengebracht wurde. Es war kein klassisches Vorstellungsgespräch. Es war vielmehr ein Austausch, in dem ich mich gesehen fühlte. Willkommen. Gewollt. Nicht nur mit meinen Fähigkeiten, sondern mit meinem ganzen Wesen.
 An der Rezeption arbeiten? Finnisch ist Voraussetzung. Früher hätte ich genau an diesem Punkt das Gespräch innerlich beendet. Zu gross erschien mir das Hindernis. Zu fern der Gedanke, dass ich das schaffen könnte.
 Doch ich bin nicht mehr die alte Yvonne. Ich bin gewachsen, ich habe mich verändert und weiterentwickelt. Ich bin jetzt hier – in Finnland.In einem Land, in dem der Mensch zählt. In dem Tiefe wichtiger ist als Tempo. In dem ich mich gesehen fühle, so wie ich bin.
 Also hörte ich weiter zu. Auch, als es ums Zimmerputzen ging. Ein Knochenjob, ja. Doch hier oben im Norden ist das keine Arbeit im Schatten – sondern eine tragende Rolle. Menschen, die mit Ehrfurcht erwähnt werden. Als Aushängeschild eines Hauses. Die stillen Kräfte im Hintergrund. Ohne die nichts läuft.
 Und zum ersten Mal dachte ich: Vielleicht sollte ich das tun. Nicht, weil es "nur" eine Arbeit ist, sondern weil es mir die Chance gibt, hier zu bleiben. Die Sprache zu lernen und weiter zu wachsen. Hier oben in Lappland spüre ich etwas, das mich bewegt zu bleiben. 
 Ob ich diesen Weg wirklich gehe? Das weiss ich noch nicht.
 Aber eines weiss ich mit Sicherheit: Das Leben zeigt mir gerade unglaublich viele Möglichkeiten. Und ich lasse sie zu.
 Ich frage nach. Ich bin offen. Ich bin mutig. Und ich lerne gerade, dass ich nicht alles sofort entscheiden muss – sondern vertrauen darf, dass sich die Dinge zeigen, wenn die Zeit reif ist.
 Was allerdings ganz klar ist: Finnisch-Lappland ist meine zweite Heimat. Punkt. Daran wird sich nichts ändern. Vor allem nicht nach einem weiteren dieser verrückten, magischen Tage, an dem wir auf der Rückfahrt zwei Elche gesehen haben. Verschwommen eingefangen auf einem Foto, aber gestochen scharf eingebrannt in mein Herz. Und dann noch eine Rentierherde. Direkt vor dem Auto.
 Augenblicke, in denen die Welt für einen Moment stillsteht. Perfekte Augenblicke. Für meine Seele. Für mein Herz.
 Und während ich dies schreibe, lächle ich. Denn in meiner diesjährigen Weihnachtsgeschichte spielt – wie könnte es anders sein – ein Elch die Hauptrolle.
 Vielleicht schreibt das Leben gerade eine neue Geschichte mit mir. Ich bin bereit, mich darauf einzulassen und zu schauen wohin mich mein Weg führt.

01.07. - 08.07 Alles hat seinen Sinn

Diese Woche war intensiv. Emotional. Bewegend.Früher hätte mich das komplett aus der Bahn geworfen.Früher war für mich klar: In der Öffentlichkeit weinen? Ein absolutes No-Go.Schwäche zeigen? Lieber nicht.
 Heute sehe ich das anders. Heute weiss ich:Meine Emotionen sind kein Zeichen von Schwäche – sie sind meine Stärke.Sie machen mich echt.Sie machen mich zu dem Menschen, der ich bin.
 Ich bin ein Gefühlsmensch. Von Kopf bis Fuss.
 In den letzten Wochen haben mir mehrere Menschen gesagt, dass man in meinen Texten spürt, wie sehr ich angekommen bin.Wie glücklich ich hier in Inari bin.Und ja – das bin ich.Dieses Fleckchen Erde hat etwas in mir zum Schwingen gebracht.
 Und trotzdem war diese Woche anders.Zum ersten Mal habe ich an mir gezweifelt.An meiner Entscheidung, hier zu sein.Nicht laut. Eher ganz still. In kleinen Momenten.In Gedanken wie: Bin ich wirklich gut genug?Nicht objektiv – einfach mein eigenes Gefühl.
 Und dann gab es da wieder andere Momente.Momente, in denen ich ohne zu überlegen meine Lieblingshalskette weggebe –weil jemand anders sie gerade dringender braucht.Und da merke ich: Ich habe mich verändert.
 Vielleicht nehme ich diese Veränderung selbst gar nicht so stark wahr,weil ich nicht von aussen auf mich schaue.Vielleicht auch, weil ich vieles, was ich mache, für selbstverständlich halte.Aber es ist nicht selbstverständlich. Es ist gewachsen. Ich bin gewachsen.
 Diese Woche war eine emotionale Achterbahnfahrt.Und trotzdem bleibt am Schluss eine Erkenntnis:
 Alles hat seinen Grund. Alles darf genau so sein. Weil ich gut bin, genau so wie ich bin.
 Ich darf glücklich sein.Ich darf sehen, was ich leiste.Ich darf Lob annehmen – ohne innerlich davonzurennen.Und ich darf Kritik annehmen – ohne mich dabei kleinzumachen.Denn Kritik bedeutet nicht, dass ich falsch bin.Sie darf da sein, damit ich wachsen kann.
 Mit diesem Text zeige ich mich verletzlich.Und gleichzeitig mutig.Denn auch hier oben, im hohen Norden, habe ich meine Themen.Meine Ängste. Meine Unsicherheiten.
 Aber ich habe auch mein Herz.Meinen Mut.Und mein Lächeln.Und das alles – macht Sinn. 

26.06. - 28.06 Wenn Geschichten nachklingen

Manche Tage hier in Finnland fühlen sich nicht einfach nach Alltag an – sie tragen etwas in sich, das bleibt. Etwas, das nachhallt.
 So wie mein Besuch im Sámi-Museum in Karasjok. Ich war nicht zum ersten Mal dort. Und trotzdem hat mich diese eine Geschichte vom weissen Rentier erneut tief berührt. Vielleicht sogar noch mehr als beim ersten Mal. Weil ich im Moment stiller bin als sonst. Nachdenklicher. Weil ich mehr zuhöre – mir selbst, dem Leben, der Natur.
 Am Donnerstag ging es für mich weiter nach Kirkenes. Ich liebe diese Transfers. Die Gäste steigen in Norwegen vom Hurtigruten- oder Havila-Schiff und ich begleite sie über die Grenze – nach Finnland. Dorthin, wo ich mich zuhause fühle.
 Unterwegs erzähle ich kleine Geschichten. Zum Beispiel die von der finnischen Schokolade. Wie Karl Fazer einst die Schweiz verliess, um in Finnland zu leben. Wie sein Sohn in Finnland das Fazer-Label gründete und damit ein Stück Schweiz in die finnische Süsswarenwelt brachte. Ich sage dann jeweils schmunzelnd: „Wir bringen den Finnen Schweizer Schokolade – und ich nehme die finnische Fazer-Schokolade mit nach Hause.“ Ein schöner, feiner Austausch – kulturell und kulinarisch.
 Am Freitag stand dann Büroarbeit an. Mails an unsere Partner, voll mit den Informationen, die sie brauchen. Ich versuche, dabei möglichst viele finnische Wörter einzubauen – aus Respekt vor dieser Sprache, die zwar herausfordernd ist, mir aber immer mehr ans Herz wächst. Weil ich dazugehören möchte. Und weil ich die Sprache der Menschen sprechen will, unter denen ich lebe und arbeite.
 Am Samstag war Transfer zum Flughafen Kittilä angesagt. Doch irgendwie wollte an diesem Tag der Flow nicht so recht aufkommen. Ich merkte, dass es wohl mit mir selbst zu tun hatte. Mit Gedanken, die schwerer wogen als sonst. Selbst der sonst so tröstende Pancake im Café Harianna vermochte mich nur kurz aufzuheitern.
 Kurz vor Kittilä nahm ich das Mikrofon in die Hand. Ich wollte mich verabschieden. Und erzählte – wieder einmal – die Geschichte vom weissen Rentier.
 Wie aus seinem Fell die Wälder wurden. Wie seine Augen zu Sternen wurden. Und wie sein Herz tief in die Erde gelegt wurde – als Verbindung zwischen allem, was lebt.
 Ich spürte, wie meine Stimme brüchig wurde. Wie Tränen in meine Augen traten. Aber ich sprach weiter. Weil diese Geschichte erzählt werden will. Weil sie verbindet.
 Ich schaute in die Gesichter der Gäste. Still. Offen. Berührt.
 Und ich wusste: Genau darum geht es.
 Wenn Worte nicht nur informieren, sondern berühren. Wenn Geschichten Nähe schaffen. Wenn Begegnungen Tiefe bekommen – weil wir zulassen, was in uns bewegt wird.
 Diese Zeit hier in Finnland ist mehr als nur Arbeit. Sie ist Teil meines Weges. 

22.06. -25.06 Meine Reise geht weiter - und mit ihr mein Herz

Letztes Mal habe ich dir von meinen Highlights erzählt. Und weisst du was? Sie gehen weiter. Vielleicht sogar noch tiefer, noch berührender.
 Hier oben, in dieser weiten, stillen Landschaft, kommen mir ständig neue, verrückte Gedanken in den Sinn. Ideen, die in der Schweiz vielleicht zu mutig gewirkt hätten. Aber hier? Hier fühlen sie sich richtig an. Hier scheint vieles möglich zu sein – mehr, als ich mir je vorstellen konnte.
 So habe ich Hilu gefragt, ob wir uns mal zusammensetzen können. Einfach reden. Schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, hier zu arbeiten, Teil von diesem Ort zu werden. Und dann ist da noch die Idee, in Inari Blockhäuser zu bauen oder bauen zu lassen. Diese Vision ist so präsent in meinem Kopf – sie lässt mich nicht mehr los.
 Ich gehe neue Wege. Mutige Wege. Wege, die nicht davonlaufen bedeuten, sondern hin – zu mir selbst, zu dem, was sich richtig anfühlt. Der Umgang hier oben ist so wertschätzend, so herzlich, so echt – genau das ist es, was ich liebe. Das ist meine Philosophie: Aus tiefstem Herzen geben. Und hier wird genau das gelebt. Das berührt mich, Tag für Tag.
 Heute war ich in Karasjok. Wieder im Sami-Museum. Und der Film dort… hat mich auch beim zweiten Mal tief bewegt. Ich hatte Tränen in den Augen. Diese Geschichte, diese Magie – sie ist kaum in Worte zu fassen. Die Schöpfungsgeschichte vom weissen Rentier hat mich mitten ins Herz getroffen.
 Aus seinen Venen entstanden Flüsse und Seen, aus seinem Fell die Hügel und Wälder. Seine Augen wurden zu Sternen. Und sein Herz – es wurde tief in die Erde gelegt. Es verbindet uns alle miteinander. Mit der Natur. Mit allem, was lebt. Eine lebendige Verbindung, die bis heute spürbar ist.
 Ein Satz hat sich eingebrannt in mein Herz: „Wenn du einmal nicht mehr weiter weisst, leg den Kopf auf den Boden und lausche dem Herzschlag des Rentiers.“ 

20.06. -21.06 Highlight Tage

Die letzten Tage waren einfach unglaublich. Ein Höhepunkt reihte sich an den nächsten. Alles begann am Freitag im Pub Papana, wo zwei Live-Bands spielten – die Finnen feierten Juhannus, das Mittsommernachtsfest.
 Zuerst war ich noch unsicher, ob ich den Eintritt wirklich zahlen soll, aber ich war froh, dass Niels auch dabei war. Das gab mir ein gutes Gefühl. Gegen 23 Uhr sassen wir draussen auf der Terrasse des Pubs – es war angenehm trotz der eher tiefen Temperatur – und wir kamen ins erste Gespräch.
 Kurz darauf, etwa um 23:20 Uhr, begann die Live-Musik. Wir waren total überrascht: Finnischer Hip-Hop. Ganz anders als erwartet – dafür richtig gut. Wir liessen uns mitreissen, feierten mit den Finnen. Ich trank ein Bier und wir lachten viel. Genossen einfach den Moment.
 Dann kam die zweite Band – ein kompletter Wechsel. Ich würde sagen, es war finnische Volksmusik. Die Stimmung blieb fröhlich, auch wenn bei manchen der Gleichgewichtssinn schon leicht gelitten hatte. Es war herrlich mit anzusehen, wie die Leute einfach tanzten und das Leben feierten. Wir hatten unglaublich viel Spass. Natürlich verliessen wir «Touristen» das Pub direkt nach der zweiten Band um zwei Uhr in der Früh – als Erste 🙂 – auch weil an diesem Tag um 12 Uhr noch der Transfer anstand.
 Das Erlebnis war einfach fantastisch und es ging weiter mit dem nächsten Highlight. Nachdem wir beim ersten Apéro zu spät waren und deshalb kein Essen mehr bekamen, waren wir dieses Mal vorbereitet: Wir bestellten uns ein Sandwich vor. Alles lief wie am Schnürchen.
 Und dann, kurz vor 23 Uhr am Samstag, durften wir unser Sandwich abholen. Als wir es bezahlen wollten, sagte man uns an der Rezeption: „Das geht aufs Haus.“
 Ich war ehrlich berührt. Diese kleine Geste – einfach so. Dazu gab es sogar noch ein Dessert.
 Diese Fürsorge und Wertschätzung kann ich kaum in Worte fassen. Es hat mich tief im Herzen berührt. Jedes Mal aufs Neue spüre ich: Es sind genau diese kleinen Momente, die einem das Gefühl geben, willkommen zu sein – nicht einfach als Gast, sondern als Mensch.
 Ich bin dankbar. Für die Musik, die Gespräche, das Lachen, das Essen, die Wärme. Fürs Unterwegssein – auch im Herzen. 

12.06 - 18.06 Zurück im Hier und Jetzt - und einfach glücklich

Wow… wie die Zeit vergeht. Und doch fühlt es sich manchmal so an, als stünde alles still. Mein Gefühl für Daten, Wochentage und Uhrzeiten hat sich irgendwo zwischen den Gewässern und den Wäldern hier oben verabschiedet. Das stört mich jedoch kein bisschen. Im Gegenteil – ich schaue in die Natur, atme tief durch, und plötzlich bin ich wieder ganz bei mir. Geerdet. Angekommen.
Die erste Woche mit den Gästen ist schon vorbei. Und wenn ich ein Fazit ziehen müsste, dann dieses: Ich liebe, was ich gerade hier oben tue. Die Transfers, die Bootstour, die Zeit mit den Gästen, es war so viel Austausch, Spass und Lachen dabei in der ersten Woche. Es fühlt sich nicht wie Arbeit an – es ist leicht. Es ist erfüllt von Humor, Hilfsbereitschaft und echtem Miteinander. Mit Niels an meiner Seite wird jeder Transfer zu einem kleinen Abenteuer, gestaltet mit Humor, Herz und ganz viel Authentizität. Wir ergänzen uns auf die schönste Weise: perfekt unperfekt. Jeder bringt sich ein, wie er ist – und genau das macht es so besonders.
Natürlich: Es braucht seine Zeit, um wieder in die Abläufe reinzukommen. Die Systeme, die kleinen Handgriffe, die feinen Zwischentöne. Aber meine strukturierte Art hilft mir sehr – Transfer-Taschen sind stets bereit, die kleinen Reden zur Sicherheit griffbereit, und niemand geht hier ohne ein Lächeln weg. 
Diese Entscheidung, noch einmal hier hochzukommen, war eine der besten, die ich in der letzten Zeit getroffen habe. Ich klopfe mir innerlich jeden Tag auf die Schulter, dass ich den Mut hatte, mein altes Leben loszulassen. Zu kündigen. Die vermeintliche Sicherheit hinter mir zu lassen, um meiner Intuition zu folgen. Und ja, ich musste meine eigene Definition von Sicherheit neu schreiben – das war nicht leicht.
Aber ich bin diesen Weg nie allein gegangen. Ich wurde getragen – von meiner Familie, von meinen Freunden, von meinem Umfeld. Sie haben mich gehalten, als ich mich manchmal selbst nicht halten konnte. Und jetzt, da ich wieder hier finnisch Lapland bin, wieder in dieser wunderschönen Landschaft, wieder mit einem Lächeln im Gesicht und wieder mit dem Gefühl lebendig zu sein, angekommen im Leben - jetzt freuen sie sich mit mir. Weil sie sehen: Ich bin glücklich und unfassbar dankbar. Danke an euch alle.

09.06 - 11.06. Die Uhren ticken hier oben anders

 Nach dem Treffen mit all unseren Partnern hatte ich zum ersten Mal das Gefühl:
Ich bin angekommen.

Und doch: Es gab noch einiges zu tun.

 Aber als ich einen Moment innehielt, in die Weite der Natur blickte und die klare, frische Luft tief einatmete, wurden all die To-dos plötzlich kleiner.Nicht unwichtig – aber auch nicht mehr so überwältigend.

 Zuerst hatten wir die Gelegenheit, noch ein paar Hotels in Inari zu besuchen.So durften wir auch unsere neuen Partner vor Ort kennenlernen:das Hotel Inari, das Wilderness Hotel Juutua und das Wilderness Hotel Inari. 

Und was soll ich sagen? Ich weiss, ich wiederhole mich –aber die Herzlichkeit, mit der wir empfangen wurden, hat mich tief berührt.
Schon wieder Gänsehaut.

Da unsere Gäste dieses Jahr eine Bootstour auf dem Inarijärvi erleben dürfen, haben wir diese auch getestet. Für die Anbieter eine Selbstverständlichkeit. 
Auch wenn das Wetter eher kühl war – die Weite des Sees, die Ruhe, die Kraft dieser Landschaft haben uns tief beeindruckt.Es gab so viel Spannendes und Wissenswertes zu hören, dass mir am Schluss ein wenig der Kopf schwirrte.

Zur Erholung gönnten wir uns einen Halt im Siida Museum. Ein Cappuccino, ein Stück glutenfreier Kuchen – einfach köstlich – und ein Moment der Ruhe, der genau zur richtigen Zeit kam.

Natürlich warteten danach noch einige Listen. Ein paar mehr als im letzten Jahr und es gab Herausforderungen – aber dank der Flexibilität unserer Partner konnten wir alles gut lösen.

Auch für mich persönlich war diese Zeit bedeutungsvoll.

Denn auch hier oben, mitten in der Natur, gibt es Dinge, an denen ich weiterarbeiten darf.
 Einige Themen wurden in diesen Tagen sehr präsent. Bei ZFM (Zeit für mich) – wie so oft – floss ein wenig Mut, ein paar Tränen und viel ehrliche Auseinandersetzung. Die wohl wichtigste Erkenntnis daraus: Ich darf gutmütiger mit mir selbst umgehen.
(Mehr dazu bald im “Aus meinem Leben”.)

Am nächsten Tag stand dann eines meiner ganz persönlichen Highlights an:
Der Besuch der Husky Farm.
Es war ein Herzensmoment. Einige der Welpen waren gerade mal fünf, sechs Wochen alt – und wir durften sie halten, streicheln und einfach bei ihnen sein.

Ganz ehrlich: In solchen Momenten ist es, als ob innere Wunden ganz leise und sanft heilen.

 Was bleibt, ist ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit.Für die Menschen, die Begegnungen, das Vertrauen –und für diese besondere Energie hier oben.

 Für mich ist klar:
- So darf sich Arbeit anfühlen.
- So darf sich das Leben anfühlen.


07.06.2025 - Ankommen mit offenem Herz

Ich bin angekommen. In Finnisch Lappland. Draussen regnet es, doch in meinem Herz scheint die Sonne. Es ist dieses tiefe, stille Gefühl von Angekommen-Sein, das mich ganz durchdringt.

Am Freitag machten wir uns auf den Weg. Vier Stunden Autofahrt von Inari nach Levi lagen vor uns. Die Strassen waren ruhig, die Natur beeindruckend, und als ob Lappland selbst uns willkommen heissen wollte, zeigten sich uns Rentiere, ein Fuchs – und sogar ein Hase hüpfte über unseren Weg. Ein perfekter Start in die lange Fahrt. 

Unser Ziel: die Partner vor Ort. Ich hatte mich schon so lange auf diesen Tag gefreut. Die Zusammenarbeit im letzten Jahr war einfach wunderschön – wertschätzend, unkompliziert und auf Augenhöhe. Die Vorfreude war riesig auch wenn meine Augen noch ein bisschen müde waren, von der Tagwacht um 4:30.

Pünktlich erreichten wir das Break Sokos Hotel in Levi. Wir wurden gebeten, kurz Platz zu nehmen und uns einen Kaffee zu gönnen. Keine fünf Minuten später war sie da – unsere Ansprechpartnerin. Wir umarmten uns zur Begrüssung, so ehrlich, so herzlich, so vertraut. Es war, als hätte es die letzten 365 Tage nie gegeben. Wir waren sofort wieder auf einer Wellenlänge. 

Ein stärkendes Frühstück wurde uns angeboten – einfach so. Diese Geste der Selbstverständlichkeit, dieser Ausdruck purer Wertschätzung, rührte mich tief. Das liebe ich an Finnisch Lappland. Hier ist Zusammenarbeit keine Einbahnstrasse – man begegnet sich als Team, mit Respekt, Lösungen und Herzlichkeit. 

Nach einem kurzen Abstecher auf den Levi Tunturi – der Ausblick da oben ist jedes Mal ein Geschenk – fuhren wir weiter Richtung Flughafen Kittilä. Auch dort wurden wir offen und freundlich empfangen. Trotz einiger Änderungen fanden wir gemeinsam Lösungen. Unsere Ideen wurden angenommen, unsere Vorschläge geschätzt. Mit jedem Gespräch, mit jedem Lächeln fiel die Last der letzten Tage und Wochen von meinen Schultern. 

Auch bei Europcar erwartete uns Offenheit – und Verständnis. Material wurde deponiert, Zusammenarbeit vereinbart. Es ist dieses Gefühl von miteinander, das mich so berührt. Geben und Nehmen. Vertrauen und Verlässlichkeit. 

Der Tag war noch nicht zu Ende. Eine weitere Stunde Fahrt nach Äkäslompolo. Auch dort: Herzlichkeit, offene Türen und helfende Hände. Material einladen, Partner treffen – alles lief Hand in Hand. Ich weiss, ich wiederhole mich, aber es ist genau das, was mir gerade so viel bedeutet. Diese Menschen hier machen unsere Arbeit nicht nur möglich – sie machen sie schön

Zum Abschluss, gelang es mir unseren Transferpartner Ylläs zu überzeugen, jeweils einen Stopp in meinem Lieblingscafe einzulegen. Ich grinste wie ein Honigkuchenpferd. 

Fünf Stunden fuhren wir zurück. Müde, aber erfüllt. Immer wieder passierten wir Rentiere und sinnierten im Auto darüber, was wohl das Highlight des Tages war. Niels brachte es auf den Punkt:
 Das Highlight war der Tag selbst.
So einfach. So wahr.
Echt. Authentisch. Voller Liebe. 


04.06.2025 - Zwischen Ankommen und loslassen

 

Die letzte Woche in der Schweiz war wie eine Achterbahnfahrt. Hochs und Tiefs im Sekundentakt – emotional und gleichzeitig auch irgendwie gar nicht. Ganz anders als letztes Jahr, und doch vertraut. Neu. Herausfordernd. Still. 
Ich bin über meine eigenen mentalen Grenzen hinausgegangen. Nicht nur in einem Bereich – in vielen. Und ich wusste es. Ich habe es gespürt. Trotzdem habe ich mir im Alltag kaum Pausen gegönnt. Vielleicht wollte ich es nicht. Vielleicht konnte ich es nicht. Die letzten zwei Tage vor dem Abflug war ich komplett leer. Am liebsten hätte ich einfach meine Tasche gepackt, die Türe hinter mir zugemacht und wäre ins Flugzeug geflüchtet. Alles war zu viel. Zu schnell. Zu laut. Zu emotional. 
Da war dieser Moment. Der Fluchtgedanke. Und gleichzeitig eine fast erschreckende Emotionslosigkeit. Ein leerer Raum in mir, wo sonst Gefühle wohnen. Aber eines war mir klar: Ich muss atmen. Tief und ehrlich. Ich brauche eine Pause. 
Am 31. Mai dann die SMS von Finnair – vielleicht wird der Flug gestrichen. Ein Schock. Genau das hätte ich in diesem Moment nicht verkraftet. Nicht noch ein Stolperstein. Doch der Flug am 2. Juni ging – pünktlich. Und plötzlich war da wieder Raum für Vorfreude. Für Lachen. Für Leichtigkeit. 
In der Nacht auf den 3. Juni kamen wir um halb eins im Hotel an – nach der Sichtung eines Hasen, eines Rentiers und eines Fuchses. Kleine Zeichen, die mich lächeln liessen. Ich fiel erschöpft ins Bett. 
Am nächsten Morgen war ich immer noch nicht wirklich da. Aber die Natur... sie hat etwas in mir beruhigt. Ich habe gespürt, wie ich ankomme. Wie ich beginne, wieder durchzuatmen. Ganz langsam. 
Mein Learning aus den letzten Tagen? Grenzen zu kennen ist wichtig. Sie bewusst immer wieder zu überschreiten – fast bis zum Maximum – ist nicht gesund. Weder für meinen Körper noch für meinen Geist. Ich darf mir Zeit nehmen. Für mich. Für meine Gedanken. Für meine Gefühle. Für meine Innenwelt. 
In den letzten Tagen habe ich mich selbst ein Stück weit verloren. Auch wenn ich im Aussen von viel Liebe getragen wurde – in mir war sie aufgebraucht. Jetzt sitze ich hier, im Blockhaus. Ich schreibe diese Zeilen, lasse sie durch meine Finger fliessen. Und während ich schreibe, beginnt mein Inneres sich zu sortieren. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich lächle. Weil sie mich wärmt. Und weil ich langsam wieder spüre, dass ich da bin. In meiner Kraft, mit meinen Emotionen und Gefühlen. 
 

25.05.25 - Sonntag - Der Countdown läuft


Nur noch 8 Tage bis zum Take-off.
8 Tage, die sich gleichzeitig wie eine Ewigkeit und ein Wimpernschlag anfühlen.
Am 02.06. steige ich wieder ins Flugzeug – um als Gästebetreuerin im magischen finnisch Lappland zu arbeiten.

Dieses Mal geht es nach Inari – direkt an den drittgrössten See Finnlands.
Ein Ort, an dem ich mich zu Hause fühlen werde.
Ich liebe das Wasser – seine Tiefe, seine Ruhe, seine Kraft. Neben der Arbeit, werde ich mir dort oben die Zeit nehmen, meine Buchprojekte zu priorisieren und mir Gedanken machen, wie geht es für mich weiter.
Bis dahin allerdings…
… ist hier noch alles im Ausnahmezustand.
Meine Agenda? Zum Bersten voll.
Ich arbeite noch bis zum 30. Mai, habe zwei Vorstellungsgespräche für meinen Wunschplan im September.
Ich pflege meine Freundschaften, sammle Umarmungen, verabschiede mich – und gleichzeitig will ich auch einfach innehalten, atmen und begreifen. Ein Balanceakt.
Während ich das schreibe, steigen Tränen in meine Augen.
Nicht aus Traurigkeit – sondern weil alles so viel ist. So echt. So intensiv.
Diese 8 Tage werden eine emotionale Achterbahnfahrt.
Sie werden mich fordern – und wachsen lassen.
Ich werde erneut meine Komfortzone verlassen, mich auf das Unbekannte einlassen, mutige Schritte gehen.
Aber vor allem:
Es werden 8 Tage voller Liebe.
8 Tage voller Schweiz.
8 Tage voller Leben.
Ich freue mich – auch wenn ich nicht weiss, was genau auf mich zukommt.
Auch wenn ich manchmal zweifle, wie ich das alles schaffen soll.
Aber eines habe ich gelernt – immer und immer wieder: zu vertrauen.
Mir selbst.
Dem Leben.
Dem Universum.
Denn nichts geschieht ohne Grund.
Und das Leben ist – in jedem Moment – für mich.